Bluttransfusionen stellen eine große Hilfe in medizinischen Situationen dar und können Leben retten. Allerdings bedarf es an einer hohen Sorgfältigkeit und dem nötigen Fachwissen, wenn man Blut transfundieren möchte. Wir haben für Dich heute alles zum Thema Bluttransfusionen zusammengefasst und worauf du unbedingt achten musst.

#1: Wer benötigt eine Bluttransfusion – die Indikationen

Reicht das eigene Blut nicht mehr aus, die Versorgung des Körpers mit genug Sauerstoffträgern zu gewährleisten, musst du Blut transfundieren. Bei großen Operationen oder chronischen Erkrankungen sind Blutkonserven daher medizinisch oft notwendig. Heute werden Blutkonserven mit größerer Zurückhaltung gegeben, als noch vor 5 Jahren! Der neue Transfusionstrigger wurde wesentlich niedriger angesetzt. Früher wurde gerne schon unter 8g/dl Hb transfundiert, heute ist die Hb Grenze – vor allem bei Herzgesunden Patienten – bei 6 g/dl. Wenn ein Patient jedoch schwer krank ist, wird immer noch bei 8g/dl transfundiert.

Die Sauerstoffzufuhr im Gewebe kann durch eine Blutkonserve verbessert werden und Blutverluste können kompensiert werden. Eine Bluttransfusion sollte daher erwogen werden bei akutem oder chronischem Blutverlust (Blutvolumen-Schock) oder einer Anämie (Hb < 6g/dl bei sonst gesunden Patienten oder Hb < 8g/dl bei chronisch kranken und älteren Patienten).

#2: Unterschiede zwischen Erythrozyten, Thrombozyten und Blutplasma

Erythrozyten werden im Knochenmark gebildet und sind als rote Blutkörperchen für den Sauerstofftransport im Blut zuständig. Sie werden bei einem akuten Blutverlust verabreicht und sind gekühlt bis zu vier Wochen haltbar.
Thrombozytenkonzentrate dienen zur Verbesserung der Blutgerinnung, wenn zu wenig Blutplättchen im Blut vorhanden sind. Durch Infektionen, Blutvergiftungen, Leber- und Knochenmarkerkrankungen kann das der Fall sein.
Das Blutplasma wird bei Störungen der Blutgerinnung verabreicht.

#3: Komplikationen bei der Gabe von Blutkonserven

Blutkonserven sollten nie unüberlegt gegeben werden! Warum? Weil Blutkonserven viele Komplikationen hervorrufen können. Wir zählen dir die wichtigsten Komplikationen auf:

  • bei häufigen Blut-Transfusionen kann eine sekundäre Siderose (Eisenspeicherkrankheit) auftreten
  • Sensibilisierung des Empfängers gegen Antigene des Spenders (Alloantigene, v.a. Blutgruppenantigene)
  • Allergische Reaktionen, die im schlimmsten Fall zum Tod führen können (bei Verwechslung von Blutkonserven)
  • Transfusionsassoziierte Lungeninsuffizienz (Transfusion-related acute lung injury = TRALI)
  • Infektionskrankheiten wie Hepatitis, HIV, Syphilis und Malaria können übertragen werden – wenn auch unwahrscheinlich!

Das Risiko für die Übertragung bestimmter Infektionen wie HIV, HBV oder HCV durch Blutprodukte ist heute sehr gering, da das Spenderblut molekulalrbiologisch getestet wird. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) liegt das Risiko für eine HIV-Übertragung mit einer Bluttransfusion in Deutschland bei weniger als 1:25 Millionen. Die Wahrscheinlichkeit, sich über Fremdblut mit HCV anzustecken, wird mit weniger als 1:75 Millionen angegeben!

Kurzfristige und langfristige Komplikationen

Kurzfristige Komplikationen können Blutdruckabfall, Hämolyse oder ein Kreislaufschock sein. Durch Fehltransfusionen oder wenn irreguläre Antikörper vorhanden sind, kann es zur Zerstörung von körpereigenen oder fremden roten Blutkörperchen kommen (Hämolyse).

Nicht zu unterschätzen sind ebenfalls langfristige Komplikationen. Durch eine Blutkonserve kann es unter anderem auch zur Graft-versus-Host Reaktion kommen. Darunter versteht man eine zytotoxische Reaktion, wobei durch das verabreichte Blut die darin enthaltenen Leukozyten den Empfänger angreifen. Bei immungesunden Empfängern können die verabreichten Leukozyten des Spenders ohne Probleme neutralisiert werden. Bei immungeschwächten Patienten hingegen können Erkrankungen wie Hepatosplenomegalien, Atrophien, Hautveränderungen oder eine Kachexie auftreten.

Diese Komplikationen sind daher allesamt nicht zu unterschätzen. Überlege deshalb zweimal, ob Du eine Blutkonserve verabreichst!

#4: Wieviel Blut braucht man, um den Hb um 1g/dl zu heben?

Es ist wichtig zu wissen, wieviel Blut man transfundieren muss, um einen gewissen Ziel Hb zu erreichen. Merke dir folgende Formel: 4ml Blut pro kg Körpergewicht heben den Hb um 1g/dl.

Rechenbeispiel 1: ein Säugling hat 3kg Körpergewicht. Er hat einen Hb von 6 g/dl. Dein Ziel Hb wären 10 g/dl. Wieviel Blut brauchst du?
3kg x 4ml = 12ml Blut (12 ml Blut heben den Hb um 1g/dl. Wir wollen aber den Hb um 4 heben, daher brauchst du 12 x 4 = 48 ml Blut.)

Rechenbeispiel 2: ein Erwachsener hat 85kg Körpergewicht. Er hat einen Hb von 7 g/dl. Ziel Hb sind 8g/dl. Wieiviel Blut brauchst du?
85kg x 4ml = 340ml Blut (340ml Blut heben den Hb um 1g/dl. Das wären fast 2 Konserven, da eine Konserve nur 200ml Blut hat. Somit ist was Wahres dran am Spruch: Eine Konserve ist keine Konserve!)

Was ärgerte mich daher persönlich als Intensivmediziner am meisten?

Als ehemaliger Transfusionsbeauftragter der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin Innsbruck ärgerte mich folgendes Szenario am meisten:
Wenn ich mitbekommen habe, dass jemand einfach bei einem Hb von 7,9 g/dl eine Blutkonserve verabreicht hat, nur damit er sein Gewissen beruhigt und einen EINZIGEN Wert therapierte!

Mein Wunsch: denke darüber nach, ob bei deinem Patienten nicht auch ein Hb von 7,5 g/dl zu akzeptieren wäre und ob du in genau der selben Situation bei einem Hb von 7,9 g/dl ebenfalls Fremdblut bekommen wollen würdest? (Denke an die möglichen Komplikationen und wiege diese mit dem „Nutzen“ auf!)

#5: Was, wenn die Blutkonserve nicht gut vertragen wird?

In diesem Absatz zeige ich dir, was du tun musst, wenn dein Patient die Konserve nicht gut verträgt!

Wir nehmen an, dein Patient braucht eine Blutkonserve. Du hast Blut bestellt, machst jetzt den Bedside-Test und hängst wie schon so oft zuvor die Konserve an!

Erster Tipp: Verabreiche die Konserve auf jeden Fall über einen Blutwärmer! Das sind Geräte, die das Blut auf Temperatur bringen, damit dein Patient diese besser verträgt!

Zweiter Tipp: Lasse die Konserve nun für maximal 30 Sekunden tropfen, drehe sie dann ab und bleibe bei deinem Patienten. Beobachte ihn genau und frage nach 3 Minuten, ob es ihm nach wie vor gut gehe! Falls dein Patient die Konserve nicht gut verträgt, hast du erst wenige Milliliter verabreicht!

Dritter Tipp: Verabreiche nun die Blutkonserve zur Gänze. Stelle sicher, dass sich dein Patient jederzeit bemerkbar machen kann, falls er ein Unwohlsein verspürt.

Wie merkst du, dass das Blut nicht gut toleriert wird?

Sollte dein Patient Anzeichen von Übelkeit, Bauchschmerzen oder neurologischen Auffälligkeiten zeigen, stoppe zuerst sofort die Blutkonserve. Eventuell wird dein Patient jetzt tachykard und hypoton. Verständige sofort den Herzalarm, ruf im Blutlabor an und fordere weitere Hilfe an. Es spricht alles dafür, dass dein Patient allergisch auf das Blut reagiert!

Es könnte also auch sein, dass dein Patient bald reanimationspflichtig wird. Daher zeige ich dir nun, was du tun musst, wenn es zur Reanimation kommt:

  1. Push hard & fast: Drücke 120x die Minute schnell und 6cm tief. Druckpunkt ist die Mitte des Sternums.
  2. Organisiere dir einen Defibrillator: falls dein Patient ins Kammerflimmern geht, defibrilliere sofort mit 150J.
  3. Nach dem 2. bzw. 3. Schock (je nach ERC oder AHA) verabreichst du 1mg Adrenalin und 300mg Amiodaron.
  4. Erwäge eine Atemwegsicherung durch einen Experten.
  5. Halte Kontakt mit dem Blutlabor und erbitte dort ebenfalls um Unterstützung!

Wirf die Konserve aber nicht weg, das Labor braucht diese später, um die Ursache für die Reaktion deines Patienten zu suchen!

Wo kann man das alles üben?

Blutkonserven zu verabreichen braucht viel Know-How und auch immer einen guten Grund! Sollte es dennoch einmal passieren, dass dein Patient die Konserve nicht gut verträgt, musst du im ACLS Algorithmus fit sein.

Wir empfehlen dir daher unseren 2-tägigen ACLS-Kurs , wo du Schritt für Schritt lernst, wie man reanimiert und defibrilliert und ein Team im Notfall unter Stress führt.

Es würde uns sehr freuen, wenn wir dich bald bei uns begrüßen dürfen!

Gut zu wissen: alle Kurse finden maximal praxislastig am High-Tech-Simulator statt – immer mit anschließender Nachbesprechung! Kleingruppenunterricht ist garantiert, ebenfalls bieten wir dir eine einzigartige Kursverpflegung und Wertschätzung im Kurs! Auf was wartest du also?
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So sehen stolze TeilnehmerInnen nach dem ACLS Kurs aus!

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