Weißt du, wie du einen Patienten mit Vollbart beatmest?

Oder, wie du mit einem Venflon jemanden beatmen kannst?

Was kannst du tun, wenn bei einem intubierten Patienten der Cuff-Schlauch abreißt?

Alltägliche Probleme unseres Berufsstands…

Wir beantworten dir diese und 2 weitere spannende Fragen aus der Notfallmedizin in diesem Beitrag. Erfahre 5 Tipps & Tricks, wovon du mindestens einen bestimmt noch nicht kanntest!

#1: Wie beatmest du einen Patienten mit Vollbart?

Stell dir folgende Situation vor: Du musst einen vollbärtigen Patienten mit Maske beatmen.

Problem dabei ist, dass du die Beatmungsmaske nicht wirklich dicht bekommst.

Bis heute war das ein großes Problem, aber wir haben DIE Lösung für dich: Frischhaltefolie

  1. Patientenkopf einwickeln: Wickle die Frischhaltefolie mit Spannung 4-5 Mal um den Kopf deines Patienten.
  2. Loch reinmachen: Als nächstes machst du ein Loch in die Folie und zwar an der Stelle, wo sich der Mund befindet.

Mit dieser Methode ist es nun möglich, die Beatmungsmaske perfekt dicht zu kriegen. Das altbekannte Problem ist gelöst und du kannst den Patienten beatmen.

Aus diesem Grund fordert Simulation.Tirol Frischhaltefolien in jedem OP-Saal und am NEF!

Beatmung mit Vollbart

Wir weisen darauf hin, dass die gezeigte Methode Off-Label ist und keiner der Medizin-Produkte, sowie auch die Frischhaltefolie dafür zugelassen ist.

#2: Wie beatmest du deinen Patienten mit einem Venflon?

Du hast sicherlich in Notfallbüchern schon gelesen, dass man statt eines Luftröhrenschnitts auch einen großlumigen Venflon durch das Ligamentum conicum stechen kann.

Doch niemand schreibt darüber, wie man damit nun einen Patienten beatmen kann. Denn wie du sicher weißt, passt der kleine Venflon-Anschluß nie und nimmer auf den viel größeren Beatmungsbeutel.

Hier die Lösung:

  1. Diese 3 Dinge benötigst du: Einen 7,5er Tubus, eine 2 ml Spritze und einen Beatmungsbeutel. Generell gilt: Je nach Hersteller von der 2ml Spritze und dem Tubus benötigst du eventuell einen 7er, 7,5er oder 8ter Tubus.
  2. Spritze auf Venflon: Reiße hinten an der Spritze den Stempel heraus! Die Spritze (ohne Stempel) steckst du auf den Venflon.
  3. Entferne den Tubus-Connector am Ende des Tubus: Diesen steckst du in die 2ml Spritze (im Bild blau). Gehe sicher, dass dieser Übergang perfekt abdichtet. Wenn nicht, wähle einen etwas kleineren oder größeren Tubus.
  4. Beatmungsbeutel anschließen: Jetzt schließe den Beatmungsbeutels an. Mit diesem „Konstrukt“ kannst du deinen Patienten nun beatmen.

Beatmung mit Venflon

Wir weisen darauf hin, dass die gezeigte Methode Off-Label ist und keiner der Medizin-Produkte dafür zugelassen ist.

#3: Was kannst du tun, wenn beim intubierten Patienten der Schlauch vom Cuff abreisst?

Fragst du dich, wie das passieren kann? Ich habe es selbst miterlebt, als ich als Anästhesist einen großen Eingriff begleitete:

Während einer 6-stündigen Schädel-OP kam es durch einen der beteiligten Ärzte zum versehentlichen Abreissen des Cuffs. Eine Beatmung war somit nicht mehr möglich.

So kannst du das Problem lösen

Ich habe den Patienten bei fest eingespannten Kopf und Bauchlage damals extubiert. Anschließend habe ich ihn mit einem alternativen Atemweg (Larynxtubus) beatmet.  Zum Glück ging die ganze Geschichte gut aus. Dennoch habe ich mir nach diesem Vorfall noch lange Gedanken darüber gemacht, wie man so einen Notfall sauberer lösen könnte.

Die Lösung, die ich dir mitgeben will, ist Folgende:

  1. Schlauch abschneiden: Wenn der Cuff abgerissen ist, schneide den Schlauch mit einer Schere nochmals sauber ab, damit das Lumen des Schlauchs schön offen ist.
  2. 22 G Venflon & Nadel: Als nächstes nimmst du einen 22G Venflon und schiebst ihn samt Nadel in die kleine Öffnung hinein.
  3. Cuff mit Spritze blocken: Entferne die Nadel aus dem Venflon und blocke den Cuff mit einer 10ml Spritze. Nun kannst du deinen Patienten wieder weiter beatmen. Das System ist perfekt dich zu kriegen.

Hätte ich damals im OP diese Lösung parat gehabt, wäre alles viel entspannter abgelaufen!

Abgerissenen Cuff flicken

Wir weisen darauf hin, dass die gezeigte Methode Off-Label ist und keiner der Medizin-Produkte dafür zugelassen ist.

#4: Was kannst du bei erschwerter Maskenbeatmung tun?

Du möchtest deinen Patienten beatmen, schaffst es aber nicht. Der Brustkorb hebt sich trotz deiner Bemühungen nicht ausreichend.

Gründe für eine erschwerte Maskenbeatmung können u.a. sein:

  • Zahnloser Patient
  • Übergewichtiger Patient
  • Patient mit Vollbart (siehe oben)

Wenn die Maskenbeatmung erschwert ist, kannst du Folgendes tun:

  1. Hochlagerung des Oberkörpers: Wenn dein Patient auf einem Krankenbett oder auf einer Rettungstrage liegt, kannst du den Oberkörper deines Patienten um 45 Grad hochlagern. Durch die Hochlagerung des Oberkörpers wird vor allem bei übergewichtigen Patienten der Beatmungswiderstand deutlich verringert, da der Bauch nach unten drückt. Falls keine Trage vorhanden ist und der Patient am Boden liegt, musst du diesen Schritt auslassen. Du kannst dann nur den Kopf des Patienten zur Seite drehen, wie unten beschrieben ist. Aktuelle Studien zeigen, dass man selbst mit einer Oberkörperhochlagerung um nur 25 Grad sogar leichter fiberoptisch intubieren kann!
  2. Kopf zur Seite: Drehe anschließend den Kopf des Patienten zur Seite. Die Drehung zur Seite verlagert die Zunge nach rechts bzw. links, was zusätzlich die Atemwege öffnet und eine Beatmung mit der Maske erleichtert.

#5: 9 von 10 Ärzten messen nicht richtig Blutdruck: Machst du es richtig?

Wusstest du, dass nur 1 von 10 Ärzten den Blutdruck auf Anhieb richtig messen kann?

Laut Studie von MK Rakotz et al. Im  Journal of Clinical Hypertension (DOI: 10.HTl/jch.13018Abbasi J, JAMA 2017; 318: 991-92) kann es zu falschen Messwerten kommen, wenn…

  • …der Patient die Beine übereinander schlägt. Der Blutdruck kann sich dann um 3-8 mm Hg erhöhen.
  • …die Armhaltung nicht passt. Das Blutdruckergebnis kann sich hierbei um bis zu 10 mm Hg erhöhen.

Wie misst du nun richtig, um keine leicht verfälschten Ergebnisse zu erhalten? Laut genannter Studie wird aktuell folgende Vorgehensweise als guideline-konform angesehen:

  1. Ruhige Sitzposition: Setze deinen Patienten auf einen Stuhl. Beide Beine (nicht überkreuzt) sollen dabei den Boden berühren. In dieser Position muss er idealerweise 5 Minuten ruhig verharren. Das heißt: Er darf währenddessen auch nicht telefonieren etc.
  2. An beiden Armen messen: Miss immer an beiden Armen den Blutdruck und notiere dann den höheren Wert. Diesen Arm verwendest du am besten auch in der Zukunft.
  3. Arm stützen: Idealerweise stützt du den Arm deines Patienten, um einer falschen Armhaltung vorzubeugen.
  4. Richtige Manschetten-Größe: Viele Ärzte benutzen die falsche Manschetten-Größe. Achtung: Zu kleine Manschetten erzeugen falsch hohe Blutdruckwerte!

Wichtig: Auch wenn diese Vorgehensweise aktuell gefordert wird, ist es nicht schlimm, wenn du es bisher falsch gemacht hast. Du kannst es ja absofort richtig machen. Deine Ergebnisse ab jetzt werden zu früher jedoch nur um 3-10 mm Hg abweichen.

Fazit: Als Notarzt muss man auch kreativ sein, um Leben zu retten

Wir hoffen, dir mit diesem Beitrag 5 hilfreiche Tipps & Tricks an die Hand gegeben zu haben, die du noch nicht kanntest.

Wie du siehst, muss man als Notarzt auch manchmal kreativ sein, um Leben retten zu können.

Jetzt weißt du, wie du Fehler in der Blutdruck-Messung vermeidest, die 9 von 10 Ärzten machen. Zudem bist du für Notfallsituationen, wie Beatmung eines vollbärtigen Patienten oder Beatmung mit einem Venflon bestens gewappnet.

Wenn du noch mehr notfallmedizinische Tipps & Tricks kennenlernen möchtest, empfehlen wir dir einen unserer ACLS-Kurse. Darin trainierst du „echte Notfälle“ an einem High-Tech-Simulator, um im Ernstfall bestens gerüstet zu sein.

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Ja, ich will „echte Notfälle“ trainieren!

Foto: © Aaron Amat – fotolia.com

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