Eine Intubation ist für uns Anästhesisten und Notärzte nicht einfach und selbstverständlich. Selbst für den Profi ist es nicht immer einfach, selbst wenn er bereits mehr als 20 Jahre Berufserfahrung hat.

Wir als Mediziner sollten immer Respekt vor der Intubation haben, auch noch nach zig Narkosen. Glaub mir, je erfahrener man ist, desto mehr weiß man es zu schätzen, wenn die Intubation gelingt.

Primär kannst du nur besser werden, wenn du die Intubation regelmäßig übst. Für den Anfang geben wir dir in diesem Beitrag nützliche Tipps und Tricks für eine gelungene Intubation an die Hand.

Tipp #1: Du brauchst Vorbereitungszeit und diese 5 Dinge

Für eine Intubation braucht es viel Vorbereitungszeit. In dieser Zeit musst du dir alle benötigten Materialien zurecht legen. Denn vergiss nicht: Dir bleiben nur 3 Minuten bis du deinen Patienten für immer verlierst. In dieser Stresssituation bist du froh darüber, folgende 5 Gegenstände griffbereit zu haben:

I) Das Laryngoskop: Das Laryngoskop ermöglicht dir im Idealfall die Sicht auf die Stimmlippe. Bevor du es einsetzt, solltest du die Lichtquelle überprüfen. Klappe das Laryngoskop kurz auf und schaue nach, ob das Licht ausreichend stark leuchtet. Ein zu schwaches Licht erschwert dir die Sicht auf den Kehlkopf.

II) Die richtige Tubusgröße: Je nach Patient, ob Kind, Frau oder Mann benötigst du eine andere Tubusgröße. Wähle dabei stets den optimalen Tubus.

Generell gilt folgende Regel: Für Männer ist ein Tubus mit 8,5 mm und für Frauen mit 7,5 mm Innendurchmesser (ID) geeignet.

Muss ein Kind intubiert werden, rechnet sich der Profi die optimale Tubusgröße mit folgender Formel aus: Tubusgröße (Innendurchmesser in mm) = 3,5 mm + (Alter des Patienten / 4)

Für die Unerfahrenen gilt: Der Durchmesser des kleinen Fingers vom Patienten entspricht der ungefähren Tubusgröße. Ich empfehle dir, immer einen Tubus mit einem um 0,5 mm kleineren Durchmesser griffbereit zu haben. Falls der Größere nicht passt, kannst du sofort den Kleineren nehmen.

III) Einen Führungsstab: Halte einen Führungsstab bereit. Damit kannst du den Tubus versteifen und ihm eine Richtung geben. Das erleichtert dir das Einführen.

IV) Ein Absauggerät: Es ist gut, wenn du ein Absauggerät vorbereitet hast. Falls dein Patient stark verschleimt ist, kannst du den Schleim ganz einfach absaugen und hast freien Blick in den Rachenraum.

V) Eine Blockerspritze: Du solltest zudem eine 10 ml Blockerspritze bereithalten, die du sofort nach der Intubation einsetzt. Mit der Blockerspritze wird so viel Luft in die Manschettenzuleitung des Tubus eingeblasen, bis der Cuff bei Beatmung dicht ist, sodass keine Luft aus der Luftröhre am Tubus vorbeiströmen kann.

Tipp #2: Tiefe Narkose

Sorge dafür, dass dein Patient tief schläft. Einen der gefährlichsten Momente vor der Intubation stellt nämlich eine zu oberflächlich geführte Narkose dar.

Tipp #3: Optimale Lagerung des Patienten

Achte vor der Intubation darauf, dass du deinen Patienten optimal lagerst. Das heißt: Wenn du dich mit deinem Patienten unmittelbar am Rand einer vielbefahrenen Straße befindest, dann bring ihn an einen sicheren Ort. Dort kannst du die Intubation in Ruhe durchführen.

Schläft der Patient tief genug und ist ausreichend relaxiert, führst du als Erstes das Laryngoskop ein. Im Idealfall solltest du direkt auf die Stimmlippe sehen können. Pass auf, dass du nicht hebelst: du würdest die vorderen Schneidezähne eventuell schädigen. Halte daher das Laryngoskop stets auf Zug, um optimale Sichtbedingungen zu schaffen.

Achte dabei auf einen Abstand von 30-40 cm. Viele Anfänger machen nämlich den Fehler und hängen Ihrem Patienten 2 cm vor dem Mund. Nur weil man näher am Patienten ist, heißt das nicht, mehr zu sehen.

Das ist dasselbe wie beim Autofahren. Anfänger kleben an der Scheibe, weil sie meinen, mehr Übersicht zu haben. Der erfahrene Autofahrer hingegen sitzt in entspannter Position und hat dadurch ein viel größeres Sichtfeld. Genauso ist es auch bei der Verwendung des Laryngoskops: Ein größerer Abstand verschafft dir mehr Übersicht.

Tipp #4: Geübte Assistenz

Es ist immer gut, wenn du eine helfende Hand neben dir hast. Noch besser ist es, wenn diese erfahren ist und schon öfters assistiert hat. Während du in einer Hand das Laryngoskop und in der Anderen den Tubus hältst, kann dein Assistent andere helfende Maßnahmen durchführen, wie das BURP Manöver.

Tipp #5: BURP bei erschwerter Laryngoskopie

Es kann sein, dass es zu einer erschwerten Laryngoskopie kommt. Das bedeutet: Du schaust in den Rachenraum und siehst nichts. Du kannst versuchen deinen Patienten besser zu lagern.

Hilft das immer noch nicht, muss dein Assistent das sogenannte BURP-Manöver anwenden. BURP steht für backward, upward and rightward pressure. Dabei handelt es sich um einen Handgriff, der dir die Sicht auf die Stimmlippen verbessert.

Es wird ein nach hinten, oben und rechts gerichteter Druck auf den Schildknorpel des Kehlkopfes ausgeübt. Dank diesem Manöver solltest du nun den Kehlkopf sehen und den Tubus leichter einführen können.

Tipp #6: Du brauchst von Anfang an einen PLAN B

Wichtig ist es, einen Plan B zu haben. Diesen Plan musst du auch unbedingt mit all deinen Teammitgliedern kommunizieren. Nur wenn diese deinen Plan kennen, könnt ihr gemeinsam schnell reagieren und ein Menschenleben retten.

Ich gebe dir 4 Tipps an die Hand, wie dein Plan B aussehen kann:

  1. Patient aufwachen lassen: Hole deinen Patienten aus der Narkose zurück.
  2. Alternativer Atemweg: Überlege dir einen alternativen Atemweg wie Beatmung mit Larynxmaske oder Larynxtubus.
  3. Hol Hilfe: Wenn du dich im innerklinischen Bereich befindest, hol dir Hilfe bei einem Anästhesisten.
  4. Verwende Hilfsmittel: Nimm Hilfsmittel wie Video-Laryngoskop oder Fiberoptik zur Hand, um bessere Sicht in die Mundhöhle zu haben. Das erfordert allerdings viel Übung und Training.

Fazit: Know-How und Übung machen noch lange keinen Meister

Wie wir eingangs erwähnt haben, ist eine Intubation selbst für erfahrene Mediziner kein „Zuckerschlecken“. Man muss ihr stets mit großem Respekt gegenübertreten.

Auch wenn wir als Notärzte und Anästhesisten die Theorie kennen und die Intubation schon zig Mal durchgeführt haben, werden wir sie nie perfekt beherrschen. Es können immer unvorhergesehene Komplikationen auftreten, die eine Intubation erschweren. (Tumore, Blutungen, Epiglottitis usw.)

Dennoch hoffen wir, dir mit diesem Beitrag einige nützliche Tipps und Tricks mitgegeben zu haben. Nun solltest du für deine nächste Intubation besser vorbereitet sein.

Zusätzlich kannst du solche Situationen auf unserem Atemweg-Symposium üben, um routinierter und besser zu werden. Dort geben wir dir auch einen Plan B an die Hand und zeigen dir, wie du Video-Laryngoskopie und Fiberoptik erfolgreich einsetzt.

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Ja, ich möchte Intubations-Notfälle üben!