Bis zu 50 Mal pro 100.000 Einwohner treten anaphylaktische Schocks pro Jahr auf. Bis zu 3 Todesfälle verursachen sie pro 1 Million Einwohner. Gerade bei Kindern, solltest du als Arzt in dieser Situation wissen, was du tun musst. In diesem Beitrag erfährst du es.

Wie geraten Ärzte in die Situation von anaphylaktischen Schockzuständen bei Kindern?

Die Fälle, die bei uns auf der Intensivstation landeten, folgten fast immer dem gleichen Schema:

  1. Der Arzt verabreicht routinemäßig ein Medikament
  2. Weil die letzten 1000 Mal nichts passiert ist, wechselt er den Raum (z.B. Zahnarzt nach Spritzengabe) oder schickt das Kind relativ schnell wieder mit der Mama aus der Ordination.
  3. Grundsätzlich hat der Arzt bis dahin nichts falsch gemacht, doch eine Wirkstoff-Unverträglichkeit bahnt sich an.
  4. Das Kind hat leider eine nicht bekannte Allergie: Schon drei Minuten nach Verlassen des Raumes (z.B. im Auto oder während der Zahnarzt im Behandlungszimmer nebenan zu Werke geht) kann es zur Luftnot kommen.
  5. Plötzlich kämpft das Kind um sein Leben.

Wenn der Mediziner nun den beginnenden allergischen Schock erkennt und die Notfallsituation jetzt vor allem medikamentös richtig therapiert, kann er selbst in den statistischen 50 von 100.000 Fällen die Überlebenschance des betroffenen Kindes auf fast 100 Prozent schrauben. Ein Einsatz, der sich unserer Meinung nach massiv lohnt.

Wieso werden Starkreaktionen oft nicht rechtzeitig erkannt?

Das Problem liegt in der Natur von uns Menschen. Nicht jeder Allergiker reagiert auf die gleiche Art und Weise.

So sagt es uns das Lehrbuch:

  • Grad I – Juckreiz, Hautrötung, Quaddeln und Schwellung der Haut
  • Grad II – hinzukommt: Übelkeit , Erbrechen und Krämpfe, rinnende Nase, Heiserkeit, Atemnot mit schnellem Atem und Atemgeräuschen, schneller Herzschlag und Blutdruckabfall, Kollaps, unregelmäßiger Puls
  • Grad III – hinzukommt: Stuhlgang, Kehlkopfschwellung, Krampf der Bronchien und Blaufärbung der Haut infolge mangelnder Sauerstoffversorgung, Schock
  • Grad IV – hinzukommt: Atemstillstand und Kreislaufversagen

Achtung: 10% aller Kinder verspüren keinen Juckreiz! Bei Ihnen fällt der anaphylaktische Schock erst auf, wenn Sie sich in Grad III befinden. Das heißt: Sie beginnen – ohne vorher klassische Anzeichen gezeigt zu haben – direkt Luftnot zu bekommen.

Bei allergischen Starkreaktionen kann es sogar innerhalb von 2-3 Minuten zur Luftnot kommen. Dann ist sofortiges Handeln gefragt.

So verhinderst du fast immer den Herzstillstand

Jetzt kommt die gute Nachricht für uns Mediziner: Wenn wir solche Situationen zu Beginn an richtig managen würden, dann könnten wir selbst bei einem schweren allergischen Schock statistisch gesehen in mehr als 95 Prozent der Fälle, den Übergang in Grad IV und das damit verbundene Kreislaufversagen verhindern.

Diese kleinen Patienten würden so mit großer Wahrscheinlichkeit nur noch vom Notarzt in die Klinik zur weiteren Überwachung gebracht werden müssen – ohne bleibende Schäden.

Die Schritt-für-Schritt Anleitung für Ärzte und medizinisches Personal zum Leben-Retten beim anaphylaktischen Schock

Schritt 1: Warte nach jeder Medikamentengabe mindestens 3 Minuten bei dem kleinen Patienten. Oder stelle das Kind zumindest unter Aufsicht und bitte die Eltern den Warteraum oder das Behandlungszimmer erst in 10 Minuten nach Medikamentengabe zu verlassen. Sollte dennoch etwas passieren, bist du nur einen Raum weit entfernt.

Schritt 2: Halte immer ein Notfallset mit Adrenalin, Defibrillator und weiteren notfallmedizinischen Geräten und Medikamenten in deiner Praxis bereit.

Schritt 3: Zögere nicht mit der Adrenalin-Gabe! – Jede Minute zählt! Wenige Sekunden können jetzt den Unterschied machen, ob ein Kreislaufstillstand beim Kind abgewendet werden kann und das Kind das Krankenhaus noch am gleichen Tag mit einem Lächeln verlassen kann.

Schritt 4: Ruf immer einen Notarzt-Kollegen zu Hilfe: Auch wenn du ein versierter und erfahrener Notfall-Mediziner bist, scheue dich nie weitere Hilfe anzufordern. Kollegiale Hilfe anzunehmen ist meist von großem Vorteil für alle Beteiligten. Und eines wissen wir, nachdem wir selbst viele Jahre als Notarzt unterwegs waren: „Wir waren noch nie einem Kollegen böse, weil er uns sicherheitshalber einmal zu oft angerufen hatte.“

Fazit:

Gerade bei pädiatrischen Notfällen lastet ein enorm hoher Druck auf uns Medizinern. Fehler werden nie verziehen, ganz zu schweigen von den Vorwürfen, die wir uns selber machen, wenn etwas schief läuft.

Zudem bist du als Mediziner nicht nur dem Kind, den Eltern und dir selbst verpflichtet, auch die Justiz ist verpflichtet solche Vorfälle zu untersuchen, sollte der schlimmste Fall eingetreten sein. Vor einem Richter wirst du dich als Arzt stets verteidigen müssen, ob du guidelinekonform gehandelt hast. Unser beschriebenes Vorgehen entspricht hier übrigens den ERC- und AHA-Guidelines.

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