Jeden Tag kommt es in Arztpraxen in Österreich und Deutschland zu Notfällen. In deiner Praxis sind alle Augen auf dich gerichtet! Auf diese 4 Notfälle solltest du dich daher vorbereiten.

Wieso ist ein Notfall in der Praxis so ein Horrorszenario?

Medizinische Notfälle gehören nur in wenigen Fachrichtungen zum täglichen Brot. Für uns Mediziner ist das klar. Für Außenstehende aber nicht. Überlebt der Patient nicht, ist der Arzt immer mit Vorwürfen konfrontiert, weil Patienten und Angehörige den Notfall nicht vom Fach unterscheiden können. Für sie sind wir verständlicher Weise einfach Ärzte.

Das traurige daran: Für unsere Patienten und unser Umfeld ist die Ursache egal. Wenn du nichts falsch gemacht hast und ein Patient in deiner Praxis stirbt, kann dein Ruf als Arzt trotzdem ruiniert sein.

Unser tägliches Brot ist es, Ärzte wie dich auf diese Notfälle in deiner Arztpraxis vorzubereiten. In der folgenden Liste wollen wir dir 4 Szenarien präsentieren, auf die jede Praxis vorbereitet sein sollte. Denn – auch wenn du noch nie davon gehört hast – es sind die häufigsten Notfälle in deutschen und österreichischen Arztpraxen:

Szenario #1: Patient liegt leblos im Warteraum

Das ist ein Szenario, wie es vor allem bei Angstpatienten oft vorkommt. Was meine ich damit? Angst vor der Zahnbehandlung, Angst vor der Spritze, Angst vor einer vermeintlich schmerzhaften Therapie irgendeiner Art.

Stell dir vor dein Patient im Warteraum ist männlich, über 60, übergewichtig und Raucher und hat seit 2 Tagen vor Nervosität kaum geschlafen. Der Grund: Er hat Angst vor der nahenden Behandlung. Vor allem wenn du Zahnmedizinier bist, hast du bestimmt öfters mit solchen Angstpatienten zu tun. Dein Problem: Vermutlich sind Blutdruck und Herzfrequenz schon seit mehreren Stunden auf „Bergtour“. Der Mann ist praktisch ein wandelndes Gesundheitsrisiko und plötzlich fällt er tatsächlich im Warteraum um.

Was musst du nun tun?

Ganz klar: Du und dein Team, ihr müsst sofort handeln.

  1. Atemcheck! Kein Atem? Der Mann hat einen Herzkreislaufstillstand.
  2. Notruf absetzen.
  3. Beginnt sofort mit der Herzdruckmassage und der Beatmung (Worauf du und dein Team bei der guidelinekonformen Herzdruckmassage achten müssen, haben wir dir in diesem Beitrag zusammengefasst: https://simulationtirol.com/diese-4-punkte-machen-eine-gute-herzdruckmassage-aus-teste-dich-selbst/)
  4. Bereitet den halbautomatischen Defibrillator vor und setzt ihn so schnell wie möglich ein! (Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für den korrekten Defibrillator-Einsatz haben wir dir hier erstellt: https://simulationtirol.com/wie-bediene-ich-einen-halbautomatischen-defibrillator/)
  5. Du ein dein Team, ihr dürft nicht aufgeben! Auch wenn es anstrengend wird. Der Kollege oder die Kollegin im Notarztwagen sind bereits auf dem Weg. Ihr müsst durchhalten!

Szenario #2: Schwere Anaphylaxie nach Impfung

Das ist eines der härtesten Szenarios, weil es jeden von uns jederzeit treffen kann – und zwar komplett unverschuldet. Du verabreichst eine Spritze, wie du es schon 1.000 Mal gemacht hast. Noch nie ist etwas passiert, aber diesmal reagiert dein Patient allergisch. Er bekommt starken Juckreiz und Atemnot.

Was musst du nun tun?

  1. Du verabreichst Adrenalin – und zwar so schnell wie möglich!
  2. Notruf absetzen!
  3. Wenn dein Patient trotz Adrenalin einen Herzstillstand erleidet, musst du sofort mit der Wiederbelebung wie in Szenario Nummer 1 starten.
  4. Nun musst du alle 2 Minuten den Herz-Rhythmus analysieren (das übernimmt der halbautomatische Defibrilator)
  5. Du musst alle 3-5 Minuten wieder guidelinekonform Adrenalin verabreichen und die Wiederbelegungsmaßnahmen aufrecht erhalten.
  6. Du und ein dein Team, ihr dürft nicht aufgeben! Auch wenn es anstrengend wird. Der Kollege oder die Kollegin im Notarztwagen sind bereits auf dem Weg. Ihr müsst durchhalten!

Szenario #3: Patient erleidet Herzinfarkt und schleppt sich noch gerade so in die Praxis

Auch wenn es keiner von deinen Patienten ist, du bist sofort gefragt. Du musst sicherstellen, dass die Alarmkette innerhalb deines Teams perfekt funktioniert und dein Team auf solche Möglichkeiten vorbereitet ist.

Unterweise hierzu dein Team (oder besuche mit ihm ein entsprechendes Training), worauf es achten soll. Und ganz wichtig: Übt die Notfallkette. Sobald diese steht, musst du mit deinem Team das Vorgehen aus Szenario Nummer 1 trainieren, bis jeder Handgriff sitzt.

Szenario #4: Kleinkind droht nach Aspiration einer Haselnuss zu ersticken

Bei diesem Szenario stehst du vielfach unter Druck! Bei Kindern gehen bei uns allen die Emotionen hoch. Das erzeugt Stress – bei den Eltern, bei den anderen im Wartezimmer, bei deinem eigenen Team, vor der Presse und nicht zuletzt bei dir selbst.

Die natürliche Reaktion wäre jetzt, mit den Fingern oder Instumenten in den Rachen des Kindes zu fahren und die Nuss „herauszufischen“. Widerstehe diesem Drang! Denn in 99% der Fälle bekommst du die Nuss nicht schnell genug hinaus. Du machst die Situation vermutlich nur noch schlimmer und hast wichtige Zeit verloren. Denn: Kinder können innerhalb von 3 Minuten daran ersticken!

Was musst du tun?

  1. Du musst versuchen, den Fremdkörper guidelinekonform zu mobilisieren. Dafür gibst du dem Kind 5 Schläge auf den Rücken und wendest dann den Heimlich-Handgriff an.
  2. Bleiben die Atemwege blockiert und die Nuss kommt nicht wieder heraus, musst du sofort die Rettungskette aktivieren und einen Notruf absetzen.
  3. Wird das Kind bewusstlos und verliert den Herzschlag, musst du sofort mit den Wiederbelebungsmaßnahmen (Herzdruckmassage, Beatmung trotz Fremdkörper, Defibrillator) loslegen.
  4. Du und dein Team, ihr dürft nicht aufgeben! Auch wenn es anstrengend wird. Der Kollege oder die Kollegin im Notarztwagen sind bereits auf dem Weg. Ihr müsst durchhalten!

Fazit: Nur Training hilft dir und deinem Team

Der medizinische Notfall in der eigenen Praxis ist das Horrorszenario vieler Kolleginnen und Kollegen. Es ist auch das Horrorszenario deines Ordinationsteams, denn Arztassistentinnen und -assistenten fühlen sich oft noch schneller mit Notfallsituationen überfordert.

Der erste richtige Schritt ist es, sich via Beiträgen wie diesem hier über die guidelinekonforme, richtige Reaktion zu informieren. Wir hoffen, wir konnten dir damit helfen oder dein Wissen noch einmal auffrischen.

Konsequenter Weise möchten wir dich aber auch darauf hinweisen, dass du mit deinem Team eventuell ein Notfall-Training in deiner Ordination anstreben solltest. Wir von Simulation.Tirol haben genau solche Praxis-Trainings für Arztordinationen entwickelt und führen diese vor Ort bei dir in der Praxis durch.

Egal, ob deine Praxis in Hamburg, in Wien oder in Innsbruck liegt. Mit unserem mobilen High-Tech-Simulator können wir dir und deinem Team ein solches Training direkt am Arbeitsplatz anbieten. Dafür bekommst du als Arzt auch 9 DFP-Punkte und dein Team erhält Fortbildungszertifikate.

Wenn es mir nun gelungen sein sollte, dein Interesse an unseren Trainings zu wecken, dann informiere dich hier über unser Angebot in deiner Arztpraxis: https://simulationtirol.com/mediziner/ordinationstraining/

Ja, ich will mich auf Notfälle in meiner Praxis vorbereiten

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