Ein aktuell trauriger Anlass in Südtirol führt uns zu diesem Beitrag: Eine Schwangere verschluckte sich beim Essen und verstarb trotz Reanimationsbemühungen der Ärzte.

Das Kind (28. SSW) wurde während dessen per Notfall-Kaiserschnitt entbunden und verstarb leider auch wenige Tage später. (Quelle: stol.it).

Daher möchten wir uns hiermit dem Thema „Reanimation einer Schwangeren“ widmen.

Wie du als Mediziner sicher weißt, ist ein Erstickungsnotfall bei einem Patienten mittleren Alters untypisch. Trotzdem ist es aus meiner Sicht ratsam, sich für den Fall der Fälle zu rüsten.

Wie du als Arzt in solch einer Situation guideline-konform handelst und eine Schwangere richtig reanimierst, erfährst du in diesem Beitrag.

Schwangere atmet nicht: Deine Anleitung zur Wiederbelebung

Sobald du als Arzt glaubst, dass deine Patientin nicht mehr atmet, startest du sofort mit einer hochwertigen Herzdruckmassage.

Stelle vor Beginn jedoch sicher, dass deine Patientin auf einem harten Untergrund liegt. Nur so lässt sich der Brustkorb ausreichend komprimieren.

1) Push fast: Du musst zwischen 100 und 120 Mal pro Minute auf das Brustbein deiner Patientin drücken. Das heißt: 2 Mal pro Sekunde schnell drücken.

2) Push hard: Für die besten Überlebenschancen musst du Tennisball-tief (5-6 cm) auf die Mitte des Brustbeins drücken. Erst wenn die Rippen deiner Patientin brechen, machst du es richtig. Die ideale Abfolge bei der Herzdruckmassage lautet: 30 Mal drücken und danach 2 Mal beatmen.

3) Verwende so schnell wie möglich einen Defibrillator: Jede Minute zählt, denn jede Minute schwindet die Überlebenswahrscheinlichkeit deiner Patientin zwischen 10 und 15%. Das heißt: Handelt es sich um einen schockbaren Rhythmus, defibrillierst du so schnell wie möglich und reanimierst danach 2 Minuten weiter.

Eine Defibrillation gilt übrigens für den Fetus als sicher.

Du brauchst eine ausführliche Beschreibung, wie du den halbautomatischen Defi benutzt? Klicke einfach auf diesen Link, um zur Schritt-für-Schritt-Anleitung zu gelangen: https://simulationtirol.com/wie-bediene-ich-einen-halbautomatischen-defibrillator/

Tipps zur Optimierung des (aorto-) kavalen Kompressionssyndroms ab der 20. SSW

Wie du sicher weißt, kann der venöse Rückstrom und die fetale Zirkulation ab der 20. SSW in Rückenlage durch das (aorto-) kavale Kompressionssyndrom negativ beeinflusst werden. Normalerweise werden daher Schwangere in 15-30 Grad Links-Seitenlage gelagert. Bei Linksseitenlage ist jedoch die CPR problematisch, und Thoraxkompressionen deutlich erschwert.

Daher wird derzeit empfohlen, den graviden Uterus durch einen zusätzlichen Helfer während der Reanimation mit beiden Händen nach links zu verdrängen. So ist unter Reanimation eine mütterliche und fetale Zirkulation so gut es geht gewährleistet.

Wichtig: Hands-Off-Zeiten vermeiden

Sorge dafür, dass die Herzdruckmassage mit möglichst wenigen Unterbrechungen nahtlos durchläuft. Das bedeutet: Nur für die Schockabgabe und die Beatmungen ist es dir erlaubt, die Herzdruckmassage kurz zu unterbrechen.

Denke bitte auch daran, dass du dich spätestens alle 2 Minuten mit einem Kollegen abwechseln musst, da sonst deine Herzdruckmassage ineffektiv wird.

Was passiert mit dem ungeborenen Kind?

Eine berechtigte Frage, die wir uns als Mediziner stellen müssen.

Wenn die Situation eintritt, dass nur noch ein Notfallkaiserschnitt das Leben der Mutter und/oder des Kindes retten kann, wird folgende Vorgehensweise empfohlen:

  • Bis zur 24. Schwangerschaftswoche (SSW): Hier wird von einem Notfallkaiserschnitt abgeraten, weil die Schwangerschaft mit großer Wahrscheinlichkeit keinen Einfluss auf das Überleben der Mutter hat. Zudem kannst du bis zur 23. SSW davon ausgehen, dass das Kind nur minimalste Überlebenschancen hat.
  • Ab der 24. Schwangerschaftswoche: Hier kann ein Notfallkaiserschnitt in Betracht gezogen werden, da die Schwangerschaft negativen Einfluss auf das Überleben der Mutter haben kann. Primäres Ziel ist es hier, die Mutter zu retten. Denn die Überlebenschancen des Kindes werden generell unter Reanimation als sehr gering eingeschätzt.

Was genau wird für die Mutter durch den Notfall-Kaiserschnitt verbessert?

  • der Sauerstoffverbrauch der Mutter wird erniedrigt
  • der venöse Rückstrom wird verbessert (aorto-kavales Kompressionssyndrom)
  • die Lungenmechanik der Mutter wird optimiert, da der intrathorakale Druck sinkt.

Allgemein gilt: Das Leben der Mutter steht immer über dem Leben des ungeborenen Kindes.

Fazit: Nur 2 Dinge können das Überleben einer Schwangeren sichern

Wie du in diesem Beitrag gesehen hast, geht es bei der Reanimation einer Schwangeren in erster Linie immer um das Überleben der Mutter.

Nur mit einer hochwertigen Herzdruckmassage und dem frühzeitigen Einsatz eines halbautomatischen Defibrillators kannst du sie mit größter Wahrscheinlichkeit retten.

Die hochwertige Herzdruckmassage und das sofortige Verwenden eines Defibrillators zählen dabei zu den Grad I-Empfehlungen der Notfallmedizin und sind somit entscheidend für die Überlebenschance deiner Patientin.

Zur Optimierung des möglichen aorto-kavalen Kompressionssyndroms (ab der 20. SSW)I sollte ein 2. Helfer mit beiden Händen den graviden Uterus während der CPR nach links verdrängen.

Weiters stellt jede Reanimation einer Schwangeren eine psychische Ausnahmesituation für alle Beteiligten dar, was dir die Arbeit mit Sicherheit zusätzlich erschwert.

Daher ist regelmäßiges Üben der beste Weg, um in solch einer Situation schnell und guideline-konform reagieren zu können. Daher empfehlen wir dir unseren 2-tägigen ACLS-Kurs, wo du am High-Tech Simulator den perfekten Reanimationsablauf so lange trainieren kannst, bis jeder Hangriff sitzt. Weiters gehen wir im Kurs ausführlich auf alle reversiblen Ursachen ein und zeigen dir, wie du sie behandeln musst.

Folge einfach dem nachfolgenden Link oder klicke auf den roten Button: https://simulationtirol.com/mediziner/als-kurs/

Ja, ich will die Reanimation von Schwangeren trainieren!

Foto: © Artem – fotolia.com

Quelle: Becke K, Eich C, Landsleitner B: Die kardiopulmonale Reanimation der Schwangeren. Anästh Intensivmed 2018;59:12-22. DOI: 10.19224/ai2018.12

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