Gleich zu allererst: Schlechte Notärzte gibt es nicht. Was leider doch vorkommen kann ist, dass Notärzte über zu wenig Erfahrung verfügen und daher sehr unsicher sind.

Jeder Facharzt in Österreich oder Deutschland kann sich zum Notarzt ausbilden lassen. Das problematische unserer Meinung nach aber dabei ist, dass die Ausbildung (meist im Umfang von 10-14 Tagen) für viele KollegInnen und Kollegen nicht wirklich ausreicht, Ängste vor Kindernotfällen und schweren Unfällen zu nehmen.

Die Folgen sind unsichere Notärzte, die Angst haben, das Leben ihrer Patienten zu gefährden.

Woran du als Arzt merkst, dass du für die wichtigsten Aufgaben eines Notarztes gerüstet bist, will ich dir im folgenden Beitrag zeigen.

Welche Grundeigenschaften sollte ein guter Notarzt besitzen?

Ein qualifizierter Notarzt ist täglich auf folgende 3 Fähigkeiten angewiesen:

Fähigkeit #1: Schnelle Reaktionszeit

Berufsbedingt sieht sich jeder Notarzt regelmäßig mit großen Herausforderungen konfrontiert. Dabei ist ganz gleich, ob man 2, 20 oder bereits 200 Patienten präklinisch bisher versorgt hat – jeder Notfall bringt neue Herausforderungen mit sich.

Für dich als Notarzt ist es daher unerlässlich, dass du dich rasch den Gegebenheiten vor Ort anpasst.

Fähigkeit #2: Geübter Umgang bei der Sicherung der Atemwege

Auch hier hast du es als Notarzt nur selten mit einfachen Fällen wie in einem geschützten Ausbildungsraum zu tun. Unter Umständen bist du sogar gezwungen, unter einem LKW oder neben einer stark befahrenen Straße zu arbeiten. Trotzdem musst du Ruhe bewahren können und dich nicht ablenken lassen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Dein Notfall-Patient hat sich schwere Verbrennungen zugezogen und leidet an einem Inhalationstrauma, wodurch seine Atemwege anschwellen. Um seine Atemwege zu sichern, muss er dringend intubiert werden.

Selbst für erfahrene Notärzte ist eine Intubation unter diesen Umständen schwierig. Ungeübte Ärzte riskieren dabei schnell eine Fehlintubation und gefährden damit die Gesundheit des Patienten.

Was alles dabei passieren kann und wie du eine Fehlintubation verhinderst, erfährst du in meinem anderen Blog-Beitrag: Schreckens-Szenario „Fehlintubation“ – Was nun?

Mein Tipp: Durch gewissenhaftes Training lernst du als Notarzt besser mit Ausnahme-Situationen umzugehen.

Fähigkeit #3: Die Trauma-Versorgung muss sitzen

Dieses Bild kennt jeder Notarzt: Ein Unfallopfer mit offenem und stark blutendem Oberschenkelbruch und ein sehr schmerzgeplagter Patient.

Was du als Notarzt dabei beachten solltest:

  1. Es besteht ein hohes Infektionsrisiko,
  2. der Patient braucht eventuell eine Kurznarkose und
  3. eine Reposition (= Herstellen der korrekten Knochenlage) ist oft noch vor Ort sinnvoll.

Was du falsch machen kannst:

Solltest du in dieser Stresssituation zum Beispiel auf die Narkose vergessen, kann das ernsthafte Konsequenzen haben. Denn jeder Patient hat das Recht auf Schmerzfreiheit.

Solltest du ihm diese vorenthalten, kannst du als Arzt verklagt werden und deinen guten Ruf verlieren.

Zudem können bei Oberschenkelbrüchen auch starke Blutungen auftreten. Diese musst du als Notarzt kontrollieren und stoppen können. Gelingt dir das nicht, steht das Leben deines Patienten auf dem Spiel.

Welche Situationen bringen Notärzte an ihre Grenzen und darüber hinaus?

Wie du siehst, verlangen die Aufgaben eines Notarztes nicht nur Fachwissen und Talent, sondern auch Erfahrung. Denn bei Unfällen sind Fähigkeiten gefragt, die du dir durch eine kurze Ausbildung nicht aneignen kannst.

Die folgenden Situationen klingen vielleicht harmlos, können allerdings Notärzte bereits überfordern:

Kindernotfälle

Gerade wenn ein Notarzt keine Erfahrung mit Kindernotfällen hat, gerät er oft selbst in Panik. Der Umgang mit jungen Patienten muss erst durch die Praxis erlernt werden und verlangt von dir als Arzt viel Feingefühl.

So kann dir zum Beispiel schon die Narkose Schwierigkeiten bereiten. Vor allem bei einjährigen Kindern stellt das Finden einer passenden Vene ein Problem dar.

Anwendung des ACLS-Alogorithmus

Wann welches Medikament gespritzt werden muss und wann defibrilliert wird, sollte jeder Notarzt im Schlaf wissen. Im Medizinstudium wird Ärzten zwar oft gesagt „verwende Merkhilfen und schlage nach“, doch manche Situationen lassen dir keine Zeit dafür. Das trifft vor allem auf Notfälle zu.

Versteh mich nicht falsch, man darf alles nachschlagen, aber die Basics sollte jeder Arzt (besonders Notärzte!) beherrschen. Falls du dein Grundwissen ein wenig auffrischen willst, kannst du bei uns hier im Blog immer wieder nachschlagen. Am besten abonnierst du unseren Newsletter 😉

Team-Koordinierung

Als Notarzt gibst du den Ton an. Das heißt: Du musst wissen, was zu tun ist und welcher deiner Notfallsanitäter welche Aufgabe übernehmen soll. Diese Führungs-Qualität kann man nicht von heute auf morgen erlernen.

Du darfst dabei dein Team nicht überfordern und musst deine Mitarbeiter je nach Ausbildungsgrad einteilen können. Die Koordinierung vor Ort ist daher sehr komplex und sollte unbedingt trainiert werden. Aus diesem Grund gehen wir auf das sogenannte CRM (Crew Ressource Management) in jedem unserer Kurse ein.

Fazit: Auf Notfälle musst du dich ausgiebig vorbereiten

Wie du gesehen hast, bereitet dich die Theorie allein nicht ausreichend auf Notfälle vor. Als Notarzt bist du in Stresssituationen vor allem auch auf deine Erfahrung und deinen kühlen Kopf angewiesen. Von diesen Fähigkeiten hängt das Leben deines Patienten ab.

Das regelmäßige Üben von Notfällen trägt deshalb zu deiner schnelleren Reaktionszeit und zur Sicherheit des Patienten bei. Willst du die Versorgung von Notfall-Opfern üben, empfehlen wir dir daher unsere notfallmedizinischen Fortbildungskurse.

Die richtige Medikamenten Gabe und den Reanimationsablauf bzw. den kompletten ACLS Algorithmus trainieren wir beispielsweise im ACLS-Kurs.

Kindernotfälle üben wir zum Beispiel im PALS-Kurs.

Du interessierst dich für unsere Kurse? Folge dazu einfach dem folgenden Link oder klicke auf den roten Button: https://simulationtirol.com/mediziner/

Ja, ich will Notfallmedizin am Simulator praktisch trainieren!

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