Notfallscores sind wichtige Tools für Ärzte. Sie dienen nicht nur der Quantifizierung von Symptomen, sondern können auch den entscheidenden Ausschlag geben, wenn es um die richtige Therapiewahl geht. Kennst Du die relevantesten Scores und kannst diese auch anwenden?

Warum verwenden wir Notfallscores?

Notfallscores haben vor allem in der Notfallmedizin einen hohen Stellenwert. Bei einem Score, aus dem Englischen für „Punktezahl“, handelt es sich um eine quantifizierte Einschätzung eines Patienten. Die Punktezahl ergibt sich dabei aus einer Reihe von spezifisches Parametern. Diese haben eine Vielzahl von Vorteilen:

  • Blickdiagnose – Durch die Vergabe von Zahlenwerten für verschiedene Symptome, erlaubt man dem Arzt sich rasch ein Bild über den Schweregrad zu machen ohne den Patienten lange untersuchen zu müssen. Dies ist vor allem bei der Patientenübergabe oder der Triage von großem Interesse.
  • Monitoring – Erhebt man die Notfallscores in zeitlichen Abständen, so bekommt man eine relativ gute Einschätzung über den Behandlungsverlauf.
  • Therapie – Oft sind bestimmte Scores bereits ein Indikator für den Beginn einer speziellen Therapie. Sie unterstützen den Arzt somit auch in der Entscheidungsfindung, was die richtige Behandlung angeht.
  • Datensätze für Studien – Neben dem primär therapeutischen Nutzen, werden Notfallscores natürlich auch für die Auswertung von Effizienz und Kosten bei verschiedenen Behandlungsmethoden genutzt.

In welchen Bereichen werden Notfallscores primär eingesetzt?

Wie bereits oben erwähnt werden Notfallscores sehr häufig in der Intensivmedizin eingesetzt. Bezieht sich die Punktvergabe dabei auf Schwerverletzte, so spricht man von einem sogenannten Trauma-Score. Die weitere Einteilung erfolgt in anatomische- sowie physiologische Scores. Erstere beschreiben dabei hauptsächlich die anatomische Lokalisation der Verletzung, während Zweitere vor allem das Ausmaß der Verletzung beschreiben.

Als weiteres Einsatzgebiet für Scoring-Systeme gelten Katastrophen und Massenunfälle. Dabei kommen sogenannte Sichtungskategorien zum Einsatz. Sie erlauben eine schnelle und effiziente Triagierung von mehreren Verletzten. Hauptunterschied zu den Trauma-Scores ist unter anderem die Berücksichtigung der zur Verfügung stehenden Ressourcen.

Die 3 bekanntesten Scores und ihre Anwendung

#1 Glasgow Coma Scale (GCS)
Sie würde ursprünglich als Quantifizierung und Einschätzung eines Schädel-Hirn-Traumas (SHT) entwickelt. Dabei wird vor allem der Bewusstseinszustand ermittelt. Die Scala bewertet drei verschiedene Reaktionen des Patienten. Es wird das Öffnen der Augen, die verbale- sowie die motorische Reaktion bewertet. Die Werte aller drei Kriterien werden am Schluss addiert und das Ergebnis kann interpretiert werden. Dabei ist der schlechteste Wert 3 und der beste Wert 15. Die Punkte werden folgendermaßen auf die drei zu beurteilende Reaktionen verteilt:

  • Öffnen der Augen: 1-4 Punkte
  • Verbale Reaktion: 1-5 Punkte
  • Motorische Reaktion: 1-6 Punkte

Bei der Interpretation des Ergebnisses ist zu beachten, dass man den Patienten immer im Gesamtbild sehen muss. So ist es wichtig auch den „normalen“ Score des Patienten zu erfragen, da ältere bzw. jüngere Menschen oft von Anfang an schon einen erniedrigten Wert haben. Weiters sollte die GCS-Erhebung nicht nur einmal, sondern im Idealfall in konstanten zeitlichen Abständen erfolgen, da sich vor allem der Neurologische Status des Patienten sehr schnell ändern kann.

Unter Berücksichtigung dieser Fehlerquellen können folgende Aussagen getroffen werden:

  • 15-14 Punkte: Keine Bewusstseinseinschränkung; keine Maßnahmen erforderlich
  • 13-12 Punkte: Leichte Bewusstseinseinschränkung; Monitoring empfohlen
  • 11- 9 Punkte: Mittlere Bewusstseinseinschränkung; eventuell eine Intubationsbereitschaft erwägen
  •  8 – 3 Punkte: Schwere Bewusstseinseinschränkung; Reanimationsbereitschaft empfohlen

Außerdem lässt sich die Schwere des Schädel-Hirn-Traumas ermitteln. Für den Spezialfall eines Kindes wurde eine leicht adaptierte Skala, die Pediatric-Glasgow-Coma-Scale, entwickelt.

Brust

#2 New York Heart Association
Diese Skala wurde zur Beurteilung von Herzerkrankungen eingeführt. Im speziellen kann man damit die Herzinsuffizienz klassifizieren. Es werden dabei wieder verschiedene Symptome beobachtet und deren Schweregrad beurteilt. Unter anderem sind dabei Dyspnoe, Nykturie, Angina pectoris, allgemeine Schwäche, Zyanose sowie kalte Extremitäten wichtig.

Die Skala umfasst vier Stadien:

  • NYHA I: Es besteht eine Diagnostizierte Herzkrankheit, der Patient ist allerdings komplett symptomfrei – auch bei körperlicher Belastung.
  • NYHA II: Leichte Beschwerden treten bei körperlicher Belastung auf. Diese äußern sich in Form von Luftnot, Angina pectoris, Rythmusstörungen oder Erschöpfung. In Ruhe ist der Patient wieder symptomfrei
  • NYHA III: Bei körperlicher Belastung treten große Beschwerden auf. Auch bei geringer Tätigkeit hat der Patient bereits leichte Einschränkungen. Keine Symptome in Ruhe.
  • NYHA IV: Beschwerden treten bei allen Belastungen und sogar in Ruhe auf

Oft orientiert sich die Therapie des Patienten an dem jeweiligen Stadium in dem er sich befindet.

#3 Mallampati-Score
Der Mallampati-Test dient dazu eine schwierige endotracheale Intubation bereits im Voraus zu erkennen. Der Test läuft folgendermaßen ab: Zuerst bittest Du den Patienten sich gerade hin zu setzten und den Mund so weit wie möglich zu öffnen. Dabei ist es wichtig die Zunge ohne Phonation heraus zu strecken und den Kopf möglichst ruhig zu halten. Nun beobachtet man den Mundraum des Patienten. Je nachdem was man alles entdecken kann, ordnet man dem Patient einen Schwierigkeitsgrad zu.

  • Mallampati I: Man erkennt den gesamten weichen Gaumen, die Gaumenbögen und die Uvula
  • Mallampati II: Hier verschwinden die seitlichen Gaumenbögen sowie die Spitze der Uvula
  • Mallampati III: Es ist nur mehr der weiche und der harte Gaumen sichtbar
  • Mallampati IV: Es ist nur der harte Gaumen sichtbar

Der Schweregrad steigt mit zunehmender Punktezahl an. Dabei ist allerdings zu beachten, dass mit diesem Test bei weitem nicht ALLE schwer zu intubierenden Patienten identifiziert werden können. Hierfür sollte man sich vor allem auch noch andere Merkmale wie einen kurzen Hals, geringe Mundöffnung oder eingeschränkte Beweglichkeit von Mund und Kopf ansehen.

Fazit

Notfallscores kommen in sehr vielen Bereichen der medizinischen Versorgung vor. Von besonderer Bedeutung sind sie allerdings in der Notfallmedizin. Sie dienen der schnellen und klaren Einteilung von Symptomen, Schwierigkeiten und Risiken. Oft lässt sich auch die richtige Therapie mithilfe dieser Notfallskalen heraus finden. Dabei ist allerdings zu beachten, dass man sich trotzdem immer ein Gesamtbild des Patienten machen muss – unabhängig vom Ergebnis der Punkte.

Die wichtigsten Scores sind die Glasgow Coma Scale zur Einschätzung des Bewusstseins nach einem Schädel Hirn Trauma. Die New York Health Association-Skala zur Beurteilung von Herzinsuffizienzen und der Mallampati-Test zur Beurteilung von eventuellen Risiken bei der Intubation.

Ja, ich möchte die Notfall-Scores praktisch anwenden beim nächsten ACLS Kurs.

 

 

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