Herzliche Gratulation! Dein Patient wurde eben erfolgreich intubiert. Jetzt aber musst du die perfekte Beatmungseinstellung für deinen Patienten finden. Wie das geht, verrate ich dir in diesem Blogbeitrag.

Wähle aus nur 3 Grundeinstellungen

Als Anästhesist und Intensivmediziner sage ich dir jetzt: es gibt nur DREI Beatmungsmodi. Du glaubst es nicht? Dann lies weiter …

Beatmungsoption #1: Spontanatmung / CPAP

Mit Abstand die einfachste Option die du hast, sofern dein Patient noch selbstständig und ausreichend atmen kann. Genau genommen stellt eine CPAP „Beatmungseinstellung“ keine wirkliche Beatmung dar. Dein Patient muss dabei die gesamte Atemarbeit alleine verrichten.

cpap_spontanatmung

Was ist ein CPAP?

CPAP steht für „Continuous positive airway pressure“. Auf Deutsch: „Kontinuierlicher positiver Atemwegs-Druck“. Wenn du diese Beatmungseinstellung wählst, wird die Spontanatmung deines Patienten während der Ein- und Ausatmung mit einem dauerhaften Überdruck kombiniert. Den Überdruck bezeichnet man auch als PEEP. (positiver endexspiratorischer Druck).

Die Vorteile einer CPAP Beatmung
Während der Einatmung wird die funktionelle Residualkapazität deines Patienten vergrößert. Das heisst, die Menge der Luft, die nach dem Ausatmen in der Lunge bleibt, wird vergrößert. Weiters wird der Kollaps der kleinen Atemwege und Alveolen so gut es geht verhindert. Dadurch wird eine Atelektasen – Bildung verhindert. Unterm Strich wird die Oxygenierung verbessert und die Atemarbeit vermindert.

Ärzte aufgepasst: Wenn du die CPAP Einstellung wählst, prüfe in kurzen Intervallen, ob dein Patient stets ausreichend atmet. Sollte dein Patient die Atemarbeit einstellen, wird er auch nicht beatmet und kann im schlimmsten Fall zu Tode kommen.

Beatmungsoption #2: Positive Druckbeatmung (PCV)

Als erste Möglichkeit einer invasiven Beatmungs-Einstellung erkläre ich dir die positive Druckbeatmung. Bei der PCV Beatmung wird dein Patient wirklich beatmet. Also sollte dein Patient entweder bewusstlos sein und nicht mehr atmen oder so tief narkotisiert sein, dass er sich beatmen lässt.

beatmungseinstellungen

3 Parameter müssen bei der positiven Druck-Beatmung eingestellt werden:

Parameter 1: Das obere Druckniveau

Meist ist das Druckniveau in mmHg – also mm Quecksilbersäule – angegeben. Starte hier beim Erwachsenen mit 15 mmHg als oberes Druckniveau.

Parameter 2: Den PEEP (das untere Druckniveau)

Als PEEP bezeichnet man den Druck, der nach einem Beatmungshub in der Lunge verbleibt. Für dich heisst das, der PEEP stellt das untere Druckniveau dar. Als Standardeinstellung wähle 5 mmHg PEEP.

Profi Tipp: Aufpassen musst du vor allem bei Herzinsuffizienten und Herzinfarkt Patienten. Eventuell musst du den PEEP hier auf 0 mmHg reduzieren, da der PEEP zur Nachlaststeigerung im rechten Ventrikel führt. D.h. die Herzarbeit wird durch hohe PEEP Werte stark erhöht.

Parameter 3: Die Beatmungsfrequenz

Hier stellst du ein, wie oft dein Patient pro Minute beatmet werden soll. Als Standard-Einstellung kannst du beim Erwachsenen 12 x pro Minute wählen.

Beatmungsoption #3: Volumen kontrolliert (VC)

Als älteste invasive Beatmungsform stelle ich dir die Volumen kontrollierte Beatmung vor. Hier wird ein gewisses eingestelltes Beatmungsvolumen X Mal pro Minute verabreicht.

volumenkontrollierte beatmung

3 Parameter müssen bei der Volumen kontrollierten Beatmung eingestellt werden:

Parameter 1: Das Beatmungsvolumen

Hier kannst du als Standard-Einstellung für deinen Erwachsenen 400 Milliliter vorerst einstellen. Das ideale errechnete Atemzugvolumen errechnet sich aus der Formel 6 mal Körpergewicht. Ich habe 88 Kilogramm – ich bin mal ehrlich 🙂 Das heisst bei mir 6 x 88 = 528 ml Beatmungsvolumen 12x die Minute wären für den Anfang optimal.

Parameter 2: Den PEEP (das untere Druckniveau)

Als PEEP bezeichnet man den Druck, der nach einem Beatmungshub in der Lunge verbleibt. Für dich heisst das, der PEEP stellt das untere Druckniveau dar. Als Standardeinstellung wähle 5 mmHg PEEP.

Parameter 3: Die Beatmungsfrequenz

Hier stellst du ein, wie oft dein Patient pro Minute beatmet werden soll. Als Standard-Einstellung kannst du beim Erwachsenen 12 x pro Minute wählen.

So weisst du, ob du zu viel oder zu wenig beatmest:

Wenn du dich nun für eine invasive Beatmungseinstellung (PCV oder VC) entschieden hast, musst du nach einer Minute prüfen, ob die Standard-Einstellungen für deinen Patienten auch passen.

beatmungseinstellung flow kurve

Prüfe jetzt die CO2 Werte in der Ausatemluft

Mit einem Kapnometer bzw. einer Kapnometrie musst du das CO2 in der Ausatemluft deines Patienten messen. Normalwerte sind CO2 Werte zwischen 35 und 45 mmHg. 2 Probleme können aber auftreten: die CO2 Werte sind zu hoch oder aber zu nieder.

CO2 Werte zu hoch? Was soll ich tun?

Falls du CO2 Werte von über 45 mmHg in der Ausatemluft misst, dann musst du deinen Patienten mehr beatmen. Du kannst die Beatmungsfrequenz erhöhen, das obere Druckniveau bei der druckkontrollierten Beatmung erhöhen oder das Volumen bei der Volumen kontrollierten Beatmung erhöhen.

CO2 Werte zu nieder? Was soll ich tun?

Falls aber die CO2 Werte deines Patienten unter 35 mmHg sind, dann musst du deinen Patienten weniger beatmen. Reduziere Beatmungsfrequenz, oberes Druckniveau oder das verabreichte Volumen.

Profi-Tipp: kleine Beatmungs-Änderungen können große Auswirkungen haben. Daher reduziere oder erhöhe vorerst immer nur zuerst die Beatmungsfrequenz um 1-2 x pro Minute. Sollte diese Änderung nicht den gewünschten Erfolg bringen, dann erhöhe oder reduziere auch den Beatmungsdruck bzw. das Volumen. Aber auch hier gilt, weniger ist mehr. In Schritten von 1-2 mmHg bzw. Volumenänderungen von 50 ml tastest du dich in Ruhe an die optimalen CO2 Werte in der Ausatemluft heran. Und merke dir: in der Ruhe liegt die Kraft. CO2 Werte sind sehr träge und Änderungen nicht gleich sichtbar. Geduld ist gefragt.

Warum sollte mein Patient optimale CO2 Werte aufweisen?

Wie du sicher noch aus dem Studium weißt ist CO2 sauer. Solltest du also zu viel CO2 oder zu wenig CO2 ausatmen, hat das schwere Folgen auf den Säure-Basen Haushalt deines Patienten. Es kommt zu PH Verschiebungen und im schlimmsten Fall zu schweren respiratorischen Azidosen oder Alkalosen. Mehr dazu aber im nächsten Blogartikel 🙂

Fazit: die ideale Beatmungseinstellung ist wichtig

Solltest du deinen Patienten invasiv beatmen müssen, kannst du viel falsch machen. Im schlimmsten Fall kann dein Patient hypoxisch werden und schwere Hirnschäden erleiden oder aber durch PH Wert Verschiebungen im Blut schwere Herzrhythmusstörungen bekommen.

Wie du deinen Patienten im Notfall richtig beatmen kannst, erfährst du auf unserem Beatmungssymposium.

Hier üben wir mit dir in praxislastigen Workshops am High-Tech Simulator die perfekten Beatmungseinstellungen deiner Patienten. Anästhesisten und Intensivmediziner geben dir dort viele nützliche Tipps zur Interpretation aller Beatmungskurven und gehen wie immer gerne auch auf deine Fragen ein.

Ja, ich will mich über das nächste Beatmungs-Symposium informieren.

 

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