Im heutigen Beitrag bekommst du eine Auffrischung zum Thema Schlaganfall von uns. Was ist zu beachten, woran erkennst du einen Schlaganfall und wie gehst du als Notarzt vor?

270.000 Schlaganfälle ereignen sich jährlich in Deutschland

Bei einem plötzlichen Untergang von Hirngewebe ist hier die Ursache oft ein Blutgerinnsel oder eine Blutung im Gehirn. Die Blutversorgung des Gehirns ist unterbrochen und das Hirngewebe stirbt ab. Ein Schlaganfall ist weltweit die zweithäufigste Todesursache. Alleine in Deutschland sind 270.000 Menschen pro Jahr davon betroffen. Führt der Verschluss eines Blutgefäßes zum Absterben von Hirngewebe, spricht man hier von einem thromboembolischen bzw. ischämischen Schlaganfall. In 15 bis 20 Prozent der Fälle ist jedoch eine Blutung im Gehirn für einen Schlaganfall verantwortlich. Hier wird dann von einem hämorrhagischen Schlaganfall gesprochen.

Koordination und Sprachvermögen geben Auskunft über die Situation

Wesentliche Anhaltspunkte in der Diagnose geben zum einen die Krankheitsgeschichte deines Patienten, zum anderen Auffälligkeiten bei der körperlichen Untersuchung. Die Schilderung durch Angehörige geben oft auch wesentliche Anhaltspunkte.
Die grundsätzlichen Aspekte zur Erfassung des Zustandes deines Patienten sind die Blutdruckmessung, der Puls, die Sauerstoffsättigung, der Blutzucker und weitere Laborparameter. Beweglichkeitsstörungen, eventuell auftretende Empfindungsstörungen und veränderte Bewusstseinszustände deines Patienten sollten bei Verdacht immer genau untersucht und dokumentiert werden. Plötzlich aufgetretene Sprachfindungsstörungen sind ebenfalls sehr verdächtig. Ist ein bestehender Verdacht auf einen Schlaganfall gegeben, sollen weitere Untersuchungen des Gehirns mit Hilfe eines CT oder MRT zur Diagnosesicherung gemacht werden und ein Neurologe hinzugezogen werden.

Therapie in der Klinik

Im Falle eines ischämischen Hirninfarkts wird versucht, das Blutgerinnsel durch medikamentöse Behandlung aufzulösen (interventionelle Angiographie oder durch Thrombolyse). Je schneller die Therapie beginnt, desto höher ist die Chance, Schäden im Gehirn wieder rückgängig zu machen und Langzeitfolgen zu vermeiden. Ist eine Blutung vorhanden, wird keine Thrombolyse durchgeführt, da diese die Blutung verstärken würde. In diesem Fall muss oft operativ bzw. interventionell eingegriffen werden, um die Blutung zu stillen. Daher ist es immer entscheidend – vor allem vor einer Lysetherapie – ein CT zum Blutungsausschluss durchzuführen.

Stroke Units als Anlaufstellen für Schlaganfallpatienten

In Deutschland existieren bereits 270 zertifizierte Schlaganfall-Stationen. Sie sind spezialisiert auf die Akut-Behandlung von Schlaganfällen. Im Jahr 2013 waren 75% der Betroffenen älter als 65 Jahre. Durch den demographischen Wandel wird die Zahl der Betroffenen jedoch drastisch steigen. Jeder vierte Bürger im Alter von 50-65 Jahren ist ebenfalls von diesem Krankheitsbild betroffen. Auch bei Kindern treten pro Jahr 200-300 Schlaganfälle auf. Meist durch angeborene Engstellen im arteriellen Gefäßsystem.

Prävention und Therapie

Um bei Hochrisiko Patienten die richtige Präventionsmaßnahmen zu wählen, muss erst ein umfassendes Bild deines Patienten inkl. Lebensgewohnheiten erstellt werden. Patienten, die an starkem Übergewicht leiden, mehr als 4 Zigaretten am Tag rauchen und genetische Vorbelastungen aufweisen, haben ein erhöhtes Risiko, an einem Schlaganfall zu erkranken.

Sollte dein Patient Symptome eines Schlaganfalls zeigen, sollte so schnell als möglich eine Stroke Unit angefahren werden und innerhalb von 48 Stunden nach dem Beginn der Symptome Medikamente verabreicht werden. Acetylsalicylsäure, oft auch in Kombination mit Clopidogrel, dienen als Plättchenaggreationshemmer  und sollten natürlich nur nach Blutungsausschluss (CT) verabreicht werden.

Der Notarzt spielt eine wichtige Rolle

Wirst du als Notarzt zu einem Schlaganfallpatienten hinzugezogen, kannst du diesen nicht behandeln. Warum aber bist du als Notarzt in so einem Fall essentiell wichtig? Es ist entscheidend, die Symptome richtig zu beurteilen und diese fachlich einzuordnen. Der Patient muss oft auch kreislaufmäßig stabilisiert werden und muss auf alle Fälle so rasch als möglich in eine spezialisierte Einrichtung (Stroke Unit) gebracht werden. Auf dem Weg dorthin sollte dein Patient überwacht werden, um etwaige Bewusstseinsstörungen oder epileptische Anfälle erkennen zu können. Genau darauf solltest du als Notfallmediziner geschult sein.

Lyse ja oder nein

Leider ändern sich die Lyse-Zeitfenster und Kriterien von Jahr zu Jahr. Derzeit wird von vielen Fachgesellschaften empfohlen, dass vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Lysetherapie maximal 72h vergehen sollten. Optimal wäre allerdings, dass man vorher eine Blutung mittels CT ausgeschlossen hat. Und hier beißt sich leider oft die Katze in den Schwanz, weil Einsätze am Berg oft langwierige Bergungen zur Folge haben können und ein CT nicht verfügbar ist. In diesem Fall würde ich unbedingt Rücksprache mit dem diensthabenden Neurologen halten und eine 2. Meinung einholen.

In meinen Kursen betone ich immer: wenn man lysiert, braucht man gute Gründe. Und man muss sich bewusst sein, dass wenn es schief geht – und das ist leider oft der Fall – man ohne vorheriges CT forensisch auf dünnem Eis steht. Goldstandard ist heute mit Sicherheit die interventionelle Angiographie, die aber gerade in ländlichen Gebieten nicht verfügbar ist und daher eine Lyse leider oft die einzige Rettungsmaßnahme darstellt.

Fazit

Als Notarzt ist es wichtig, dass du die Zeichen für einen Schlaganfall richtig deuten kannst und genau weißt, wie du in so einem Fall vorgehen solltest bzw. wo du deinen Patienten hinbringen kannst.

Es bedarf auch einer guten Koordinierung, damit dein Patient nicht wertvolle Zeit verliert. Der Spruch „Time is brain“, wie viele Neurologen sagen, beschreibt in einem Satz was wirklich zählt: die Wiedereröffnung des Gefäßes – und das so rasch als möglich im nächstgelegenen Schlaganfall Zentrum.

Wenn du die Schlaganfall Leitlinien am High-Tech Simulator auffrischen möchtest, empfehle ich dir unseren maximal praxislastigen ACLS Kurs.

Ja, ich möchte mehr über Schlaganfälle lernen und wie ich im Ernstfall richtig vorgehe! 

Istockphoto © designer491 FluxFactory

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