Es ist das Schreckensgespenst aller Ärzte: die Koniotomie (= Luftröhrenschnitt). Die gute Nachricht für dich ist: Laut Statistik kommt ein Luftröhrenschnitt nur 1-2 Mal im Berufsleben eines Anästhesisten vor. Wenn es dann allerdings passiert, musst du darauf vorbereitet sein.

Wie du deinen Patienten am besten koniotomierst und was dabei alles zu beachten ist, will ich dir im folgenden Beitrag zeigen.

Wann musst du einen Luftröhrenschnitt machen?

Ein Luftröhrenschnitt stellt immer die allerletzte Möglichkeit dar, den Patienten mit Sauerstoff zu versorgen. Das heißt für dich: Falls dein Patient weder beatmet noch intubiert werden kann, musst du eine Koniotomie in Erwägung ziehen.

In diesem Fall ist ein Luftröhrenschnitt die letzte Chance, das Leben des Patienten zu retten. Deshalb solltest du so schnell wie möglich handeln.

So gehst du dabei vor

Um einen Luftröhrenschnitt zu machen, gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten:

1.     Anhand eines Fertig-Sets

Achtung: Ein Fertig-Set wird von führenden Atemwegsfachgesellschaften derzeit nicht mehr empfohlen! Grund dafür ist, dass das vermeintliche „ideale“ Set in Wirklichkeit wenig Aussicht auf Erfolg hat, da es zu kurz gebaut wurde und viel zu filigran ist – vor allem wenn deine Patienten auf Grund eines Tumors Trachea-Verlagerungen zur Seite haben oder durch Strahlentherapien verursachte derbe Gewebeschichten durchdrungen werden müssen.

2.     Durch eine sogenannte offene Koniotomie

Dies ist die mit Abstand derzeit geltende Option mit den höchsten Erfolgsaussichten und daher die von Atemwegsfachgesellschaften empfohlene Variante:

Dabei gehst du in einem 5-Schritte-System wie folgt vor:

Schritt #1: Mit einem Skalpell einen großen Vertikalschnitt (von oben nach unten) auf Kehlkopfhöhe vornehmen.

koniomotie   koniotomie offen

Schritt #2: Mit dem Finger bis zu den Trachealringen der Luftröhre vortasten und bei Bedarf eben einen tieferen vertikaleren Schnitt machen.

Schritt #3: An der Trachea eine Querinzision (= Schnitt unter Schildknorpel) setzen. Meist hört man bereits hier die Luft durch ein Pfeifen entweichen. Im Idealfall machst du die Inzision genau im Ligamentum conicum.

koniotomie luftroehrenschnitt

Schritt #4: Das Skalpell auf die stumpfe Seite drehen und damit das Loch vergrößern durch ein „Aufhebeln“.

Schritt #5: Einen kleinen Tubus (bei Erwachsenen z.B. 5 mm Innendurchmesser) einführen. Bitte nicht zu tief, damit man den Patienten nicht einseitig ventiliert.

koniotomie inzision

Diese „offene“ Methode verspricht den größten Erfolg und braucht nur ein Skalpell, einen kleinen Tubus und Übung.

Worauf solltest du dabei achten?

Bei einem Luftröhrenschnitt ist das Wichtigste: schnell handeln. Daher sind Blutungen oder das Infektionsrisiko dabei zu vernachlässigen. Entscheidend ist in dieser Situation nur, dass du dem Patienten die Atemwege chirurgisch sicherst.

Mein Tipp: Die richtige Einstellung an den Tag legen. Wenn du dich für einen Luftröhrenschnitt entscheidest, dann mache ihn rechtzeitig und beherzt. Nur mit Selbstvertrauen schaffst du es, deinem Patienten schnell zu helfen und keine Zeit mit Zögern zu verschwenden.

So sorgst du für die besten Voraussetzungen

Wenn du als Arzt eine Koniotomie durchführen musst, dann hast du nichts mehr zu verlieren. Es ist die letzte Chance, deinen Patienten am Leben zu halten. Daher lautet mein Motto: Besser zu viel schneiden als zu wenig! Setze den Schnitt ruhig großzügig an, um genügend Platz zu haben, die Trachea zu finden.

Zudem solltest du einen kühlen Kopf bewahren. Keine Angst, wenn du z.B. die Luftröhre nicht auf Anhieb gleich ertasten kannst. Das kann unter Umständen auch daran liegen, dass die A. Carotis geplatzt ist. Dadurch wird die Luftröhre zur Seite verschoben und du musst eben auch seitlich suchen! Falls du mal bei einer Carotis-Nachblutung koniotomieren musst, erwäge auch das Carotis-Hämatom am Hals zu entlasten indem du die Hautnähte öffnest, damit die Trachea wieder in die Mitte rückt und du sie leichter finden kannst.

Hilfreiches Know-How

  • Bei Kindern sollte keine Notfall-Koniotomie durchgeführt werden bzw. diese Option nur in wirklichen Ausnahmen versucht werden! Das liegt daran, dass die Gefahr einer Perforation der Membran der Trachea-Hinterwand zu groß ist. Das kann zu einer mediastinalen Fehllage führen und tödlich enden.
  • Neben der Koniotomie gibt es auch die sogenannte Tracheotomie. Bei dieser wird der Zugang etwas tiefer am Hals gesetzt, um dort ein Tracheostoma anzulegen. Dabei handelt es sich niemals um einen Notfall, da die Tracheotomie geplant und in Ruhe angelegt wird.

Fazit: Luftröhrenschnitt verlangt von dir mutiges Vorgehen

Solltest du jemals in die Situation kommen, einen Luftröhrenschnitt durchzuführen, kann Zögern tödlich sein. Du als Arzt musst schnell und gezielt vorgehen können, um mit einer Koniotomie Leben zu retten.

Deshalb ist das Trainieren eines Luftröhrenschnitts unerlässlich. Nur die Übung lässt dich in deinen Handgriffen sicherer werden und den nötigen Mut in der Situation fassen.

Ich hoffe, ich konnte dir mit diesem Artikel die Empfehlungen bei einer Koniotomie leicht verständlich erklären und dir hilfreiche Tipps geben.

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Ja, ich will den perfekten Luftröhrenschnitt üben!

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