Diabetisches Koma und Hypoglykämie sind Notfälle, die einen zuckerkranken Patienten bei der falschen Behandlung schnell das Leben kosten können. Hier zeigen wir dir, wie du als Arzt oder Sani richtig reagierst!

Kurzer Theorieteil: Was macht Diabetes so gefährlich?

Grundsätzlich unterscheiden wir bei Zuckerkrankheit zwischen zwei verschiedenen Typen: Typ 1 zählt zu den Autoimmunerkrankungen und entsteht durch absoluten Insulinmangel aufgrund der Zerstörung der Betazellen der Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse. Typ 2 wurde früher Altersdiabetes genannt und bezeichnet eine Kombination aus relativem Insulinmangel und Insulinresistenz. Während Typ 1 meist angeboren ist, tritt Typ 2 meist durch die Lebensumstände (Übergewicht, schlechte Ernährung etc.) eines Patienten auf.

Rund 9 Prozent aller Europäer sind Diabetiker. Davon sind 9 von 10 Typ-2-Patienten.

Folgen von Typ 2 Diabetes nach nur 10 Jahren:

  • 8 von 10 Patienten leiden unter Bluthochdruck
  • Jeder 8. leidet an peripherer arterieller Verschlusskrankheit
  • Jeder 9. erleidet einen Herzinfarkt
  • Jeder 14. erleidet einen Schlaganfall
  • 1 von 20 Patienten leidet an einem diabetischen Fuss
  • Jeder 4. (!) erleidet Augenschäden
  • Jeder 170. Patient erblindet sogar

Die häufigsten medizinischen Notfälle bei Diabetes

Keine Frage: Medizinische Notfälle fordern dich als Arzt, Sanitäter oder Pflegekraft immer und du musst immer schnell handeln. Gerade bei Diabetikern häufen sich jedoch 2 verschiedene Arten von Notfällen und es kommt auf das richtige Timing und die richtige Reaktion deinerseits an!

In Bezug auf Diabetiker solltest du dich daher vor allem auf folgende 2 Notfälle vorbereiten:

  1. Diabetisches Koma
  2. Unterzucker oder Hypoglykämie

Notfall 1: Wie du beim diabetischen Koma richtig reagierst

Das diabetische Koma ist lebensgefährlich und entsteht durch hyperglykämische Entgleisung. Das heißt: Die Blutzuckerwerte können auf mehr als 1.000 mg/dl (56 mmol/l) ansteigen. Es entsteht dadurch eine metabolische Azidose (= Übersäuerung des Blutes).

Wie kann das diabetische Koma entstehen?

Dieses Koma entsteht durch Infekte, schadhaftes Insulin oder dem Ausfall der Insulinpumpe.

Wie erkennst du das ketoazidotische Koma?

Du musst deinen Patient genau beobachten: Riecht sein Atem wie Nagellackentferner (= nach Aceton)? Hat dein Patient starken Durst? Ist er neurologisch auffällig? Geht er vermehrt auf die Toilette? Neigt er zu Bauchschmerzen oder zum Erbrechen? All das sind Anzeichen eines diabetischen Komas.

Was musst du tun?

Veranlasse sofort einen Notruf! Danach musst du schnell Flüssigkeit infundieren. Wichtig: Insulin sollte erst in der Klinik verabreicht werden, da Insulin die Kaliumkonzentration senkt und daher vorher monitorisiert werden sollte.

Andernfalls besteht sonst die Gefahr präklinisch eine Hypokaliämie zu triggern. Es können so maligne Herzrhythmusstörungen ausgelöst werden. (Anm.: Wie du solche Herzrhythmusstörungen erkennst bzw. therapierst kannst du beispielsweise in unserem EKG-Kurs erlernen).

Und nach dem diabetischen Koma?

Dein Patient muss mit seiner Insulintherapie nach einem diabetischen Koma neu eingestellt werden. Der Ursache für diese lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung muss unbedingt ein Spezialist auf den Grund gehen.

Notfall 2: Wie du richtig bei Hypoglykämie eines Diabetikers reagierst

Zur Hypoglykämie (oder anders ausgedrückt: Unterzucker) kommt es bei Diabetes-Patienten in der Regel, wenn blutzuckersenkende, orale Antidiabetika überdosiert werden oder zu wenig Nahrung aufgenommen wurde.

Wie erkennst du Hypoglykämie?

Anfangs klagt dein Patient vielleicht nur über Unwohlsein. Die Symptome können aber bis zur Bewusstlosigkeit reichen. Mit einem Blutzuckermessgerät verschaffst du dir schnell Klarheit: Es handelt sich um Hypoglykämie, wenn die Werte unter 70 mg/dl (4 mmol/l) liegen.

Was musst du tun?

Wenn dein Patient noch essen kann, dann gib ihm Schokolade, Traubenzucker oder Fruchtsaft. Langsam verwertbare Kohlenhydrate wie Vollkornbrot etc. eignen sich nicht. Danach solltest du in jedem Fall zur Sicherheit die Rettung anrufen. Auch, wenn sich dein Patient scheinbar wieder erholt.

Wenn dein Patient nicht mehr essen kann, weil er bewusstlos am Boden liegt, musst du sofort einen Notruf absetzen. Wenn du sie zur Hand hast, musst du danach sofort 33-prozentige Glucose intravenös infundieren (Menge: ca. 30 ml) und 1 mg Glucagon intramuskulär (oder alternativ subcutan) verabreichen. Spricht dein Patient nicht darauf an, wiederhole diese Schritte alle 5 Minuten.

Bis zum Eintreffen des Notarztes bist du voll gefragt: Ist dein Patient bei Bewusstsein, musst du eine engmaschige Kontrolle vom Blutzucker mit einem Messgerät durchführen, sowie die Wachheit und Vitalparameter prüfen. Ist dein Patient bewusstlos, musst du ihn in die stabile Seitenlage bringen, Blutzucker laufend messen und Glucose infundieren. Sollte er sogar zu atmen aufhören, musst du sofort mit dem Basic-Life-Support beginnen!

Fazit: Auf Diabetes-Notfälle vorbereiten

Wie du siehst, erfordert jeder Notfall sein guidelinekonformes Vorgehen. In diesem Beitrag wollten wir dir schildern, wie du bei Diabetes-Patienten und deren zwei häufigsten Notfällen reagieren solltest.

Als Arzt, Sanitäter oder Pflegekraft waren diese Guidelines vielleicht nicht neu, sondern nur eine Auffrischung. In beiden Fällen hoffen wir, dir weitergeholfen zu haben.

Um sich intensiv auf diese Notfälle vorzubereiten, empfehlen wir Simulationstrainings. An einem lebensechten Simulator kannst du dabei die lebensrettenden Maßnahmen bis zur Perfektion üben und beobachten, wie ein Mensch im Ernstfall auf deine Therapie reagiert.

Wenn auch du dich lebensecht auf solche Notfälle vorbereiten willst, empfehlen wir dir einen unserer Advanced Cardiac Life Support – Kurse (ALS-Kurs) unter diesem Link: https://simulationtirol.com/mediziner/als-kurs/ oder klicke einfach auf diesen roten Button:

Ja, ich will mich als Arzt oder Fachkraft noch besser auf Notfälle vorbereiten!