Jeden Tag gibt es Notfälle, bei denen Kinder von Säuren und vor allem Basen verätzt werden. Passieren tut das, weil sie Reinigungsmittel wie klassische Geschirrspülmittel mit gewöhnlichem Saft verwechseln. Du als Arzt kommst erst zu den kleinen Patienten, wenn das Ganze schon seit Minuten in ihrem Inneren ist.

Meistens handelt es sich noch dazu um größere Mengen an Säuren oder Basen, da die Kinder sie trinkend zu sich nehmen. Dabei kann für dich als Notarzt bereits ein falscher Handgriff zum Erstickungstod des Patienten führen.

Wichtiges Hintergrundwissen: Basen (also fast alle Reinigungsmittel) sind weit gefährlicher als Säuren. Daher wäre es für Kinder sogar schädlicher Basen zu trinken, als sich mit Salzsäure zu überschütten.

Wie du als Arzt bei so schwerwiegenden Verletzungen richtig reagierst, erfährst du im folgenden Beitrag.

Wie kommt es zu Säure- und Basenunfällen?

Säure- und Basenunfälle passieren häufig im Haushalt durch das Trinken von Seifen oder Geschirrspülmitteln. Besonders Basen können dabei zu schwerwiegenden inneren Verletzungen führen. Davon sind zwar zum Teil auch Erwachsene betroffen (vorwiegend durch Suizidversuche), doch bei den meisten Patienten handelt es sich um Kinder.

In der Regel halten kleine Kinder ein buntes Spülmittel für Limonade und trinken es. Daher werden Eltern schon seit jeher dazu angehalten, gefährliche Reinigungsmittel sicher wegzusperren.

Schockierend aber wahr: Ein Fall in Tirol zeigte, dass Kinder sogar in der Gastronomie Opfer von Säure- und Basenunfällen werden können: Ein Kind bestellte in einem Gasthaus ein Glas Apfelsaft und bekam stattdessen Abwaschmittel serviert, weil sogar der erwachsene Kellner die gelbe Flasche mit dem Saft verwechselt hatte. So wurde ein vermeintlich harmloses Getränk zur lebensbedrohlichen Flüssigkeit.

Seltener kann es bei Kindern auch zu äußeren Verletzungen durch Säure oder Basen kommen. Diese betreffen dann entweder die Augen oder Hautstellen und können vor Ort behandelt werden.

Wie gehst du als Notarzt guideline-konform vor?

Das Trinken von Säuren oder Basen fügt dem Patienten oft starke Schmerzen zu. Daher solltest du als Arzt eine Narkose bzw. Sedierung erwägen. Dabei musst du allerdings bedenken, ob du nicht die Atemwege durch eine Intubation rechtzeitig noch sichern möchtest, da diese oft dazu neigen, anzuschwellen.

Auf keinen Fall darfst du: Dem Kind etwas zum Nachtrinken geben. Sollte es nämlich Abwaschmittel getrunken haben, besteht die Gefahr des Aufschäumens und folglich wieder des Erstickens.

Wir Ärzte bringen unsere Patienten nicht zum Erbrechen: Ein häufiger Irrglaube ist, dass Säure oder Basen am besten auf diese Weise den Körper verlassen sollten. Das ist jedoch schwieriger als es klingt und würde dem Patienten zusätzliche Qualen bereiten. Daher: Erwäge so schnell als möglich eine Notfall-Gastroskopie in der nächsten großen Kinder-Klinik!

Das darfst du auf keinen Fall vergessen!

Du musst alles daran setzen herauszufinden, welches Mittel das Kind zu sich nahm. Das Mittel muss auch mit in die Klinik genommen werden, wo dann Vergiftungsspezialisten dazu befragt werden. Muss es ganz schnell gehen kannst du auch gleich die Vergiftungszentrale unter folgender Notfallnummer anrufen:  +43 1 406 43 43

Bei äußeren Verletzungen ist wichtig, dass die betroffene Stelle gut mit Wasser ausgespült wird und keine weiteren Körperstellen mit der Säure/Base in Kontakt kommen.

Das bedeutet für dich als Arzt: Treffe die nötigen Schutzmaßnahmen! Latex-Handschuhe stellen keinen 100% Schutz gegen Säuren und Basen dar, lediglich gegen Keime. Eine sicherere Alternative wären Chemikalienschutzhandschuhe, die allerdings nicht in der Standard-Notfallausrüstung zu finden sind.

Daher: Plane jeden Handgriff sorgfältig! Achte vor allem darauf, dass dir die ätzende Flüssigkeit nicht von oben in den Handschuh rinnt.

Einmal in der Klinik angekommen, was nun?

Nachdem das Kind so schnell wie möglich in die Klinik gebracht wurde, können weitere Maßnahmen folgen. Meist sind bei „Schluckunfällen“ folgende Eingriffe unumgänglich:

  • eine Gastroskopie

Dabei muss bedacht werden, dass die Gefahr einer Perforation des angegriffenen Gewebes besteht.

  • Auspumpen des Magens

Bei großen Mengen an Säure oder Basen ist dieser Schritt unbedingt erforderlich.

Hast du als Arzt richtig reagiert, ist oft das Schlimmste für den kleinen Patienten noch lange nicht überstanden. Dennoch erwartet die Kinder oft eine langwierige Nachbehandlung:

  • Mehr als 30 Folge-Operationen sind leider keine Seltenheit, denn 2 – 3x wöchentliche muss z.B. unter Narkose die Speiseröhre bougiert werden, um Strikturenbildungen zu vermeiden. Dies stellt für Kinderchirurgen, Anästhesie-Teams und natürlich Eltern eine logistische und belastende Aufgabe dar. Viele Kinder werden durch die unzähligen Folgeeingriffe dauerhaft traumatisiert und benötigen oft auch psychologische Betreuung.

Fazit: Schmerzen lindern, Ursache erforschen und sofort in die Klinik

Während der Behandlung eines Säuren- und Basenunfalls schwebt das Kind immer noch in Gefahr und ist auf dein Fachwissen und deine Erfahrung angewiesen.

Daher kann die richtige Vorbereitung auf Säure- und Basenunfälle Leben retten. Wichtig ist, nicht veraltetes Wissen, wie erzwungenes Erbrechen anzuwenden. Denn es obliegt dir als Arzt, die guidelinekonformen Maßnahmen rasch umzusetzen. Jede Sekunde der Falschbehandlung bedeutet eine weitere Sekunde Gefahr und Schmerz für deinen jungen Patienten.

Die richtige Vorgehensweise lautet kurz zusammengefasst: Schmerzen lindern, Ursache finden (und am besten mitnehmen) und sofort in das nächste Krankenhaus fahren. Nur dort kann eine rettende Gastroskopie durchgeführt und der Magen ausgepumpt werden.

Ich hoffe, ich konnte dir mit diesem Artikel die Leitlinien leicht verständlich erklären und dir eine Auffrischung für die richtige Vorgehensweise bei Säure- und Basenunfällen geben.

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Ja, ich will Säure- und Basenunfälle üben!

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