In diesem Beitrag möchte ich dich als Arzt darüber aufklären, welche Medikamente du einer schwangeren Frau verschreiben darfst und welche auf gar keinen Fall. Es sei jedoch betont, dass grundsätzlich jede Medikamenten-Gabe bei Schwangeren nur dann in Erwägung gezogen werden sollte, wenn diese auch unvermeidbar ist. Du erfährst in diesem Blogartikel auch, was bei chronischen Erkrankungen medikamentös zu beachten ist.

Diese 6 Medikamente darfst du einer schwangeren Frau verschreiben

Grundsätzlich sollte im ersten Trimester der Schwangerschaft große Vorsicht geboten sein, weil sich das Kind in diesem Teil der Schwangerschaft in der Organogenese (Organbildung) befindet. Wenn es unumgänglich ist, sollten Mono-Präparate statt Kombi-Präparate verschrieben werden. Bitte beachte: Auch frei zugängliche Arzneimittel können in der akuten Schwangerschaft ein Risiko darstellen. In den folgenden Abschnitten erfährst du, was du deiner Patientin guten Gewissens verschreiben kannst.

Antibiotika in der Schwangerschaft sind bei schweren Infektionen unumgänglich. Von den verschiedenen Wirkstoffen sind Cephalosporine und Penicilline im Rahmen einer Schwangerschaft die Antibiotika der 1. Wahl.

Sumatriptan kann im Falle einer Migräne als Wirkstoff während der gesamten Schwangerschaft unbedenklich eingenommen werden.

Oxymetazolin ist ein α1-Sympathomimetikum und wird zum Abschwellen der Nasenschleimhäute angewendet und lindert Rötungen und Schwellungen an Augen und Schleimhäuten. Hier darf nach Absprache mit dem Arzt die empfohlene Dosierung auf keinen Fall überschritten werden. Wenn möglich, sollte die Patientin jedoch am besten auf Nasenspray auf Meerwasserbasis zurückgreifen.

Loratadin ist eines der am besten untersuchten Anithistaminika. Hier konnte bisher kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko beobachtet werden. Es kann in allen Phasen der Schwangerschaft eingenommen werden. Falls ein sedierender Effekt eines Antihistaminikums vorteilhaft ist, kann alternativ Clemastin eingesetzt werden. Hier wurde bisher auch keine teratogene Wirkung festgestellt und kann somit während der ganzen Schwangerschaft problemlos eingenommen werden.

Metoprolol gehört zu der Gruppe der Betablocker. Der Wirkstoff wird bei arterieller Hypertonie, tachkarder Arrhythmie und zur Migräneprophylaxe angewendet. Es wurde bisher kein teratogenes Risiko festgestellt.

Antidepressiva in Form von SSRI gelten als weitestgehend unbedenklich. Hier entscheidet der Facharzt ob und wann die Dosis während der Schwangerschaft verändert wird.

Diese 6 Medikamente darfst du einer schwangeren Frau NICHT verschreiben

Die Einnahme von vielen Medikamenten stellt ein Risiko für das ungeborene Kind dar. In der Vergangenheit sind immer wieder Fälle von schweren Fehlbildungen im Mutterleib bekannt geworden. Hier bekommst du eine Liste von Medikamenten, die eine schwangere Frau unter keinen Umständen zu sich nehmen sollte.

Sulfonamide gehören zur Gruppe der Antibiotika. Sie greifen in den Folsäure-Stoffwechsel ein und hemmen die DNA-Synthese.
Sulfonamide wirken gegen PseudomonasSalmonellaShigella, StaphylococcusStreptococcusNeisseriaPneumocystis jiroveciiToxoplasma gondiiNeospora caninum und Plasmodien. Bei der Einnahme rund um den Geburtstermin besteht eine erhöhte Gefahr, dass das Kind an Hyperbilirubinämie ( = Neugeborenen Gelbsuchrt) erkrankt.

Stimmungsstabilisatoren wie zum Beispiel Valproinsäure werden bei Manien und bei Psychosen eingesetzt. Sie können Fehlbildungen beim Kind hervorrufen. Auf die Einnahme von Lithium sollte zumindest im ersten Trimester und vor der Geburt verzichtet werden, um  Fehlbildungen und Lithiumvergiftungen am Herzen des Kindes zu vermeiden. Alternativ kann bei der Behandlung von Psychosen auf Neuroleptika zurückgegriffen werden.

Zytostatika werden zur Krebs-Behandlung in der Chemotherapie eingesetzt. Sie hemmen Die Zellteilung und das Wachstum. Während des ersten Trimesters der Schwangerschaft kann es zu multiplen Fehlbildungen kommen, wenn sich das Kind noch in der Organogenese befindet. Im letzten Trimester kann das Abwehrsystem und das Wachstum erheblich gestört werden. Die Kinder weisen außerdem ein erhöhtes Krebsrisiko auf.

ACE-Hemmer werden gegen Bluthochdruck und bei chronischer Herzinsuffizienz angewendet. Sie wirken auf das kardiovaskuläre System und verringern die Durchblutung der Nieren. Wird das Medikament in der Frühphase der Schwangerschaft oder zum Zeitpunkt der Geburt eingenommem, kann das Kind Nierenschäden bekommen.

Antiepileptika, auch bekannt als Antikonvulsiva Darunter versteht man Medikamente, welche gegen Epilepsie eingesetzt werden. Hier wird die Erregbarkeit der Neuronen reduziert. Wird das Medikament in der frühen Schwangerschaft eingesetzt, kann es zu Fehlbildungen von Kopf, Gesicht und Extremitäten kommen.

Opioide sind stark wirkende Schmerzmittel, die auf das Zentralnervensystem einwirken. Durch die Einnahme von Opiaten zum Zeitpunkt rund um den Geburtstermin kann das Kind mit Atemdepression auf die Welt kommen.

Medikation bei chronischen Erkrankungen

Grundsätzlich gilt bei Frauen mit chronischen Erkrankungen, dass sie während der Schwangerschaft intensiv betreut werden sollten. Ideal wäre es, wenn sich die Patientin vor der Schwangerschaft über den Kinderwunsch äußert, um die Medikation vorab auf geeignete Präparate umzustellen.

Medikation bei unentdeckter Schwangerschaft

Hier solltest du mit deiner Patientin den Wirkstoff, die Dauer und die Dosis genau analysieren, um das weitere Vorgehen abschätzen zu können. Gegebenenfalls muss sich deine Patientin einigen Tests unterziehen, um Fehlbildungen oder Erkrankungen des ungeborenen Kindes auszuschließen.

Fazit

Bei schwangeren Frauen sollte vorwiegend auf eine unnötige Medikation verzichtet werden, um das ungeborene Baby vor chemischen Einflüssen zu schützen. Jedoch ist zu betonen, dass bei einer schwerwiegenderen Erkrankung die Gesundheit der Mutter immer Vorrang gegenüber dem ungeborenen Leben hat und daher z.b. bei einer lebensbedrohlichen Infektion nicht auf Antibiotika verzichtet werden kann. Wir hoffen, dein Wissen mit unserem Blogbeitrag über die Medikation in der Schwangerschaft etwas aufgefrischt zu haben und freuen uns auf deinen Besuch bei einem unserer nächsten Kurse.

Ja, ich interessiere mich für medizinische Fortbildungen.

 

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