Um die Frage „Wann sollst du als Arzt intubieren, wann nicht?“ zu beantworten, müssen wir zwischen zwei Bereichen unterscheiden: Dem innerklinischen Bereich mit Intensivstation und Operationssaal und dem präklinischen Bereich des Notarztes.

#1: Der Innerklinische Bereich – Tubus in 4 Ausnahmefällen

Bei elektiven Eingriffen müssen Patienten nüchtern erscheinen. Hier stellt sich erst gar nicht die Frage, ob ein Tubus nötig wäre. Denn der Patient ist definitiv nüchtern. Das heißt: Ein Tubus ist im Normalfall nicht nötig, da keine Gefahr an Erbrechen besteht.

Jedoch gibt es 4 Ausnahmen:

  1. Adipositas-Patienten: Bei Patienten mit massivem Übergewicht ist es besser einen Tubus zu setzen. Die Alternative wäre nämlich eine Larynxmaske. Jedoch braucht es bei extrem übergewichtigen Patienten höhere Beatmungsdrücke. Das heißt: Für die Beatmung brauchst du mehr Druck als wie bei einem normalgewichtigen Patienten. Da die Larynxmaske nur leicht auf dem Kehlkopf anliegt, ist die Maske bei einem Beatmungsdruck von mehr als 20 mmHg nicht mehr dicht. Die Luft strömt dann oft in den Magen, anstatt in die Lunge.
  2. Patienten, die in Bauchlage operiert werden müssen: Hier wird ausdrücklich immer ein Tubus empfohlen, da du in Bauchlage nicht mehr ganz so leicht zum Atemweg kommen kannst. Da wäre eine Larynxmaske eher ungeeignet und ein Sicherheitsrisiko.
  3. Nicht nüchterne Patienten: Wenn die Patienten nicht nüchtern sind oder du es nicht weißt, wird bevorzugt ein Tubus gesetzt.
  4. Intensiv-Patienten: Patienten auf der Intensivstation werden (fast) immer intubiert. Dort zählt die Intubation nach wie vor zum Goldstandard. Da die Patienten meistens lange beatmet werden müssen, würde ein alternativer Atemweg keinen Sinn machen bzw. eher Probleme bereiten (Leckagen, Magenbeatmung, etc.).

#2: Der präklinische Bereich mit Gold, Silber & Bronze zur Entscheidung

Für den präklinischen Bereich galt früher die Glasgow Coma Scale (=GCS) als richtweisende Skala, wann intubiert werden sollte und wann nicht. Bei einem Wert unter 7 wurde dem Patienten ein Tubus gesetzt.

Heute dient die GCS eher als Richtwert. Die führenden Atemwegs-Gesellschaften sprechen mittlerweile von einem Gold-Silber-Bronze Airway-Management Modell.

  • Gold: Unter diese Kategorie sind Mediziner zu fassen, die regelmäßig intubieren (z.B. Anästhesisten). Zählst du zu dieser Kategorie, ist für dich alles erlaubt.
  • Silber: Hierunter fallen Mediziner, die auch noch oft intubieren, aber wesentlich seltener als Narkoseärzte. Solltest du unter diese Kategorie fallen und dich beim Intubieren unwohl fühlen, dann ist von einer Intubation abzusehen. Die Folgen bei einem falsch gesetzten Tubus könnten fatal sein. Wie gravierend, haben wir dir bereits einem anderen Beitrag aufgezeigt. Wenn du ihn lesen möchtest, kannst du einfach auf diesen Link klicken: https://simulationtirol.com/schreckens-szenario-fehlintubation-wie-erkennst-du-sie-und-was-ist-zu-tun/
  • Bronze: In diesen Bereich fallen Mediziner, die ganz selten intubieren. Allgemeinmediziner z.B. müssen statistisch gesehen fünfmal im Jahr intubieren. Das ist definitiv zu wenig, um das korrekte Intubieren zu beherrschen! Diese sollten nach Möglichkeit gar nicht intubieren. Hier empfehlen Atemwegs-Gesellschaften ganz klar die alternativen Atemwege wie Larynxmaske, Larynxtubus oder ganz normale Maskenatmung.

Problem im präklinischen Bereich

Im präklinischen Bereich ist es viel schwieriger zu intubieren. Es ist laut und du hast vielleicht schlechte Sichtverhältnisse. Eventuell kannst du deinen Patienten nicht korrekt lagern oder er ist sogar im Auto eingeklemmt. Aus diesen Gründen ist es viel wahrscheinlicher, dass das Intubieren auf der Straße problematischer verläuft.

Wusstest du: 70% deiner KollegInnen sind sich sicher, dass sie einen Tubus innerhalb von ½ Minute setzen können. Kursauswertungen unseres Simulationszentrums zeigen uns jedoch ein anderes Bild: 50% der Teilnehmer benötigten mehr als 1,5 Minuten, um einen Tubus zu setzen.

Welche Entscheidung ist für den Patienten tödlich?

Patienten sterben nicht, wenn du sie nicht intubieren kannst. Sie sterben, weil du sie nicht beatmest! Das heißt: Während du versuchst, den Tubus zu setzen, verlierst du wertvolle Beatmungszeit! Patienten gehören beatmet und nicht intubiert. Denn schon nach 3 Minuten ist dein Patient tot.

Da du auf der Straße eine andere Stresseinwirkung und Zeitwahrnehmung hast, empfehle ich dir Folgendes: Erwäge maximal einen 2. Intubationsversuch und probiere es auf keinen Fall öfters. Greife lieber auf alternative Atemwege zurück. Dieses Vorgehen empfehlen aktuell auch die führenden Atemwegs-Gesellschaften.

Nun kennst du die Situation im inner- und präklinischen Bereich. Kennst du aber auch die Risiken, die bei einer Intubation auftreten können?

#3: So kannst du beim Intubieren den Patienten schädigen

  1. Blutungen im Mundraum: Aufgrund der harten Beschaffenheit des Tubus (Plastikrohr) kannst du sehr leicht das weiche Gewebe im Mundraum deines Patienten verletzen, sodass es zu Blutungen kommen kann.
  2. Verletzung der Stimmlippe: Bei der Einführung des Tubus kann es dazu kommen, dass du die Stimmlippe deines Patienten verletzt. Die Folgen: Dein Patient ist lebenslang heiser. Wusstest du: Auf 50.000 Narkosen kommt es statistisch betrachtet 30 bis 40 Mal zur Verletzung der Stimmlippe.
  3. Fehlintubation: Die wohl schlimmste Komplikation stellt die Fehlintubation dar. Wenn du diese nicht erkennst und dementsprechend rasch handelst, stirbt dein Patient innerhalb von 3 Minuten!

Um eine Fehlintubation sicher zu erkennen, gibt es nur ein einziges sicheres Anzeichen. Möchtest du wissen, welches das ist? Wir haben dir dazu bereits einen Beitrag verfasst, den du unter folgendem Link findest: https://simulationtirol.com/schreckens-szenario-fehlintubation-wie-erkennst-du-sie-und-was-ist-zu-tun/

Fazit: Intubation nur mit diesen 5 Dingen

Eine Intubation verlangt mehr als einen Tubus. Du brauchst: Den richtigen Tubus, eine Narkose, eine helfende (assistierende) Hand, 3 Minuten Vorbereitungszeit und praktisches Knowhow!

Wenn du das nicht hast, dann greife auf den alternativen Atemweg zurück. Dieser geht super easy von der Hand. Einem Laien demonstriere ich in 15 Minuten, wie man jemanden richtig beatmen kann. Müsste ich ihm hingegen das Intubieren beibringen, würde ich mich erst nach 1000 erfolgreichen Intubationen von diesem Kollegen selber intubieren lassen.

Wir können dir daher nur ans Herz legen: Wenn du dir nicht sicher bist, dann lass es und wähle einen alternativen Atemweg. Wichtig ist vor allem eins: Üben, üben, üben!

Dies kannst du zum Beispiel in unseren Kursen. Das eignet sich dafür hervorragend. Dort erwarten dich ganze 2 Tage lang praktische Übungen im Kleingruppen-Unterricht. Alle Informationen zum Kurs findest du unter folgendem Link oder du klickst direkt auf den roten Button am Ende des Beitrags: https://simulationtirol.com/atemweg-symposium/

Ja, ich möchte meine Atemweg-Fertigkeiten trainieren!

Foto: ©Kzenon – fotolia.com

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