Die Inzidenz für akutes Nierenversagen bei Krankenhausaufnahme beträgt weltweit 23%. Fast jeder 4. Patient leidet also bei Aufnahme bereits an einem akuten Nierenversagen. In diesem Blogbeitrag erfährst du die häufigsten Ursachen und welche 6 Dinge du dagegen tun kannst!

Definition eines akuten Nierenversagens

Ein Serum Kreatinin Anstieg über 0,3 mg/dl innerhalb von 48h oder ein Anstieg über 50% innerhalb von sieben Tagen nach Aufnahme sichert die Diagnose eines akuten Nierenversagens.

Bei Aufnahme deines Patienten musst du daher immer das Serum-Kreatinin bestimmen. Wiederhole deine Messung nach 2 Tagen. Sollte das Kreatinin mehr als 0,3 mg /dl angestiegen sein, dann leidet dein Patient unter akutem Nierenversagen.

  • Stadium 1 des akuten Nierenversagens:
    Serum Kreatinin Anstieg über 0,3 mg / dl innerhalb von 48h oder über 50% innerhalb von 7 Tagen
  • Stadium 2 des akuten Nierenversagens:
    Serum Kreatinin Anstieg über 100% innerhalb von 7 Tagen
  • Stadium 3 des akuten Nierenversagens:
    Serum Kreatinin Anstieg über 200% innerhalb von 7 Tagen

Kreatinin als insensitiver Parameter

Leider ist Kreatinin ein insensitiver Parameter, weil dieser erst ansteigt, wenn schon 50% aller Nierenzellen geschädigt ist. Die gute – oder in diesem Fall eigentlich „schlimme“ – Nachricht für dich ist aber, dass es keinen besseren Parameter gibt, ein akutes Nierenversagen festzustellen.

Die Harnmenge als zweiter Parameter

Der zweitwichtigste Parameter für akutes Nierenversagen ist der Rückgang der Harnmenge deines Patienten. Du kannst durch den Rückgang der Harnmenge ebenfalls wie beim Kreatinin das akute Nierenversagen in 3 Stadien einteilen:

  • Stadium 1 des akuten Nierenversagens:
    Harnmenge kleiner als 0,5ml / kg KG / h über 6 h anhaltend
  • Stadium 2 des akuten Nierenversagens:
    Harnmenge kleiner als 0,5 ml / kg KG / h über 12h anhaltend
  • Stadium 3 des akuten Nierenversagens:
    Harnmenge kleiner als 0,3 ml / kg KG / h über 24h anhaltend

Einteilung in prärenales, intrarenales und postrenales Nierenversagen

Die Ursachen für akutes Nierenversagen teilt man ein in prärenale, intrarenale und postrenale Ursachen.

  • Prärenale Ursachen sind zum Beispiel Volumenmangel und Dehydrierung.
  • Unter intrarenalen Ursachen fallen zum Beispiel Glomerulonephritiden.
  • Auslöser für postrenale Ursachen sind Harnsteine und Harnabflusstörungen.

Mit Abstand am wahrscheinlichsten sind prärenale Ursachen gefolgt von postrenalen Ursachen. Intrarenale Ursachen stellen die unwahrscheinlichste Variante für ein akutes Nierenversagen dar.

nierenschmerzen akutes nierenversagen

Damit du feststellen kannst, ob die Ursache für das Nierenversagen prärenal, intrarenal oder postrenal liegt, musst du jetzt ein quantitatives Harnsediment bestimmen lassen. Weiters wird empfohlen, die Niere deines Patienten per Ultraschall auf gestaute Nierenbecken hin zu untersuchen – wie es beim postrenalen Nierenversagen der Fall wäre. Ebenfalls musst du prüfen, ob dein Patient unter einer Proteinurie leidet, ob veränderte Erythrozyten im Harn sichtbar sind und ob es Hinweise für Ery-Zylinder und Akanthozyten im Harnsediment gibt (dies wären Hinweise für ein intrarenales Nierenversagen).

Welche Folgen sind durch ein akutes Nierenversagen zu befürchten?

Mit akutem Nierenversagen ist nicht zu spaßen. Ein verlängerter Krankenhaus-Aufenthalt deiner Patienten ist zum Beispiel vorprogrammiert. Weiters steigert das akute Nierenversagen die Mortalität deiner Patienten um ein Vielfaches:

  • 2-fach erhöhte Mortalität im Krankenhaus bei Stadium 1.
  • 3-fach erhöhte Mortalität im Krankenhaus bei Stadium 2.
  • 10-fach erhöhte Mortalität im Krankenhaus bei Stadium 3.

Im Langzeitverlauf hat jedes akute Nierenversagen – selbst wenn es wieder geheilt werden kann – ein 9-fach erhöhtes Risiko für chronische Nierenerkrankungen und eine doppelt so hohe Mortalität im Langzeitverlauf!

Welche 6 Dinge kannst du jetzt als Arzt tun?

Als Arzt kannst du rechtzeitig eingreifen und durch geeignete Maßnahmen ein akutes Nierenversagen gezielt therapieren. Erkenne zuerst deine gefährdeten Patientengruppen: Diese leiden meist schon unter Diabetes bzw. eingeschränkter chronischer Herz- und Nierenfunktion.

Wenn das Kreatinin wie oben beschrieben in den nächsten 2 Tagen um mehr als 0,3 mg / dl ansteigt, dann gehe wie folgt vor:

  1. Überwache die Nierenfunktion deiner Patienten engmaschig. (Kreatinin und Harnvolumina)
  2. Setze frühzeitige prophylaktische Maßnahmen: Schalte nephrotoxische Noxen aus (keine NSAR, ACE Hemmer absetzen, Kontrasmittel vermeiden,  Aminoglykosid Antibiotika vermeiden, Amphotericin B vermeiden, Diuretika absetzen, Metformin absetzen, SGLT2-Hemmer absetzen).
  3. Optimiere die Perfusion und Oxygenierung deiner Patienten.
  4. Schalte prärenale Ursachen aus und korrigiere einen Volumenmangel mittels kristalloiden anstatt mit kolloidalen Lösungen.
  5. Verabreiche bei eine Hb unter 7 g / dl Erythrozytenkonzentrate.
  6. Schalte postrenale Ereignisse wie Steine und Harnabflusstörungen aus.

Was soll ich als Arzt nicht tun?

Vermeide wenn möglich Diuretika. Ich weiß, das fällt uns Ärzten wirklich sehr schwer, doch Diuretika schädigen die Niere zusätzlich und beschleunigen das Fortschreiten der Krankheit. Daher Finger weg von sämtlichen harntreibenden Substanzen! Du steigerst damit nur kurzfristig die Harnausscheidung (vorallem von freiem Wasser, nicht von Giftstoffen) und schädigst dadurch die Niere zusätzlich!

Fazit

Akute Nierenerkrankungen sind sehr häufig. Jeder 4. Patient leidet bereits bei Krankenhausaufnahme darunter. Nur wenn du das Nierenversagen rechtzeitig erkennst und richtig therapierst hat dein Patient Chancen auf Genesung. Wir von Simulation.Tirol empfehlen dir daher unseren beliebten Nephrologie Kurs zu besuchen. Dort erklären wir dir alles nochmals ganz genau, nehmen uns Zeit für deine Fragen und ein erfahrener Oberarzt für Nephrologie steht dir mit Rat und Tat beim Kurs zur Seite.

Beim nächsten Nephrologie Kurs möchte ich gerne dabei sein!

Foto (c) – Nerthuz, dolgachov istockphoto.com

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